Tofo

Ich hatte mich entschlossen, von Dar es Salaam nach Mosambik zu fliegen, da ich die Größe des Landes unter- und die Qualität der Infrastruktur überschätzt habe und nach Tofo mindestens sechs Tage mit diversen Bussen gebraucht hätte. Also ging es vom Flughafen von Dar es Salaam nach Maputo mit LAM („Linhas Aéreas de Mocambique“, oder wie es öfter genannt wird: „Late and Maybe“). Wir hatten dann auch tatsächlich zwei Stunden Verspätung, allerdings weil der ganze Flughafen lahmgelegt wurde. Der marokkanische König war gerade für einen Staatsbesuch angekommen. Da müssen halt alle anderen mal warten. War sogar in den tansanianischen Nachrichten, sonst hätte ich erst gar nicht mitbekommen, was da los war.

In Pemba hatten wir einen Zwischenstopp, Gepäck raus, alles öffnen, erklären, Einreiseprozeduren und so weiter und so fort und dann endlich weiter Richtung Maputo, der Hauptstadt von Mosambik. Ich war etwas aufgeregt, weil ich mit extremer Verspätung ankam, mitten in der Nacht, kein mosambikanisches Geld hatte, nicht wusste, wo ich hinmusste, aber kaum war ich aus dem Gate heraus, wurde ich direkt angesprochen „Are you Annabel?“. Ok, wer ist das, woher weiß er meinen Namen und wie ich aussehe…? Das war der Fahrer von meinem Hostel, der hatte geprüft, dass mein Flug Verspätung hatte und dachte, er holt mich mal lieber ab. Das war echt super!

Da ich nicht in Maputo bleiben wollte (da gibt’s nicht so viel zu sehen), habe ich nach drei Stunden Schlaf direkt einen Bus nach Tofo genommen, wo ich nach einer weiteren sehr afrikanischen Busfahrt am späten Nachmittag im „Fatima’s“ ankam. Es war zwar extrem windig, aber ich musste die super Lage am Strand einfach direkt nutzen und bin ein bisschen in den Wellen herumgehüpft.

Tofo ist ein friedlicher kleiner Ort, der vor allem für seine vielen Tauchmöglichkeiten bekannt ist und für die angeblich sehr vielen Walhaie und Mantarochen. Das ist auch der Grund, warum ich dorthin wollte. Walhaie sind die größten Fische, die es gibt, sie können hundert Jahre alt werden, sind vollkommen harmlos für Menschen und ernähren sich hauptsächlich von Plankton.

Also um die nächsten vier Tage kurz zusammenzufassen: ich war jeden Tag tauchen. Und zwar mit Tofo Scuba, direkt am Strand, mit kleinem Restaurant, sehr gutem Equipment und tollem Personal. Ich habe direkt zwei von meinen Dormmates aus dem Hostel getroffen, die dort auch die ganze Zeit abgehangen haben und wir hatten ein paar tolle Tage zusammen. Es gibt einige schöne „divesites“ und ich habe einige tolle Sachen gesehen. In die Speedboote von Tofo Scuba passen ca. zehn Leute. Die Boote liegen direkt vor dem Tauchcenter am Strand und werden mithilfe eines kleinen Traktors ins Wasser geschoben bzw. wieder an Land gezogen, da die Wellen echt stark sind. Die Passagiere schieben das Boot auf beiden Seiten das letzte Stück bis der Motor gestartet werden kann. Das war echt jedes Mal ein Abenteuer. Man schiebt und schiebt und irgendwann schreit jemand „Ladies up!“, die Frauen dürfen zuerst reinklettern, und dann „Everybody up!“ und los geht’s. Man muss seine Füße einhaken und sich ordentlich mit beiden Händen festhalten, denn die Spritztouren auf den Booten waren teilweise echt ein bisschen lebensmüde auch aufgrund der starken Wellen… Gleichzeitig versucht man, seinen Mageninhalt für sich zu behalten. Es war schon echt abenteuerlich. Am Riff angekommen macht man einen letzten Check, dann „Masks on, regulators in! Three, two, one, go!“ und dann lässt man sich rückwärts ins Wasser plumpsen, versucht die anderen nicht zu verlieren und so schnell wie möglich nach unten zu kommen.

Meine Favoriten am ersten Tag war wohl eine Schildkröte, ein Oktopus (es war einfach unglaublich zu sehen, wie schnell diese Tiere ihre Farbe wechseln können, von einer Sekunde auf die andere, und sich komplett ihrer Umgebung anpassen… toll!!!) und naked Corine. Das muss ich wohl kurz erklären. Corine ist eine Holländerin, die ich dort kennengelernt habe und sie hatte zufällig an diesem Tag ihren 100. Tauchgang. Anscheinend gibt es diese inoffizielle Regel, dass man beim hundertsten Tauchgang blank ziehen muss. Hatte ich noch nie vorher gehört, aber den anderen war das allen bekannt. Sie hat das auch echt tapfer durchgezogen, nur im Bikini ohne Neoprenanzug (und es ist schon relativ kalt da unten), unten Bikini ausgezogen, Fotos gemacht, Bikini wieder an und dann noch 60 Minuten weitergetaucht. Respekt. Abends haben wir den „naked dive“ mit einigen Bieren und sehr leckerem Essen gefeiert.

Am zweiten Tag bin ich mit meinem Roomie Agnes (aus Ungarn) morgens am Strand entlang gejoggt und habe dann eine kleine Bootstour mit Schnorcheleinheit gemacht. Wir hatten zwischendurch irgendwann drei Delphine, die mit uns durchs Wasser geflitzt sind und leider echt viele Quallen, sogenannte „blue bottles“. Die sind sehr klein und deshalb schwer zu sehen und haben lange dünne blaue Tentakeln. Wir haben alle ein schönes Tentakelbad genommen und sind dann mit kribbelnder, brennender und teilweise extrem schmerzhafter Haut schnell wieder zurück ins Boot geflüchtet, wo wir unsere großflächigen Ausschläge begutachtet haben. Nachmittags war ich wieder tauchen, habe wieder eine Schildi gesehen und mich gefreut. Abends waren wir in einem anderen Hostel zum Filmabend („Mike and Dave need wedding dates“… muss man nicht gesehen haben).

Außer im Tauchcenter habe ich mir natürlich auch noch den Rest von Tofo angesehen. Auf dem kleinen Markt kann man schöne Stoffe und Klamotten erwerben, außerdem Obst, Gemüse und Brot. Das Brot in Mosambik ist vergleichsweise echt gut, es ist zwar nicht dunkel, aber es besteht mehr aus Brot als aus Luft. Und mein Favorit: Kokosmilchbrötchen! Sehen aus wie Milchbrötchen, sind aber vegan, da sie mit Kokosmilch gemacht werden! Höchst delikat. Ansonsten gibt es in Tofo viele kleine Restaurants, sehr typisches veganes mosambikanisches Essen ist Matapa (eine Art Spinat, wird meist mit Reis gegessen, sehr empfehlenswert!) und irgendwie essen alle dort die ganze Zeit Lollipops. Wir haben auch nach jeden Tauchgang einen zur Belohnung gekriegt. Das war toll!

Mosambik ist sehr anders als Kenia, Uganda oder Tansania. Man merkt, dass dieses Land stark durch  die portugiesische Kultur geprägt ist. Oft kommt man mit Englisch nicht weit. Neben portugiesisch werden ca. 40 andere Sprachen gesprochen, die ich natürlich auch nicht verstanden habe. Nur meine kläglichen Spanischkenntnisse haben mir ein bisschen geholfen. Außerdem ist die Infrastruktur echt schlecht, Internet hat man selbst in touristischen Gegenden selten, Strom und Wasser sind auch eine Glückssache und die Straßen außerhalb der Hauptverbindungen zwischen den größeren Städten sind, naja, keine Straßen. Generell ist das Land eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und man merkt, dass das Ende des Bürgerkriegs (1992) noch nicht so lange her ist. Es gibt noch viele verlassene Gegenden und Gebäude, doch es wird an vielen Stellen gebaut und modernisiert. Wenn man sich die Seite vom Auswärtigen Amt durchliest, könnte man denken, man muss die ganze Zeit um sein Leben bangen und kann sich nirgendwo frei bewegen. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen, allerdings war ich auch hauptsächlich in Tofo unterwegs. Und da ist wirklich außer Strand, Party und Tauchen nichts los.

Ich wollte eigentlich am Freitagmorgen zurück nach Maputo fahren, aber wie alle anderen habe ich meinen Aufenthalt dann doch verlängert. Es ist einfach zu schön in Tofo. Und mir wurde gesagt, dass ich die wöchentliche Party am Freitagabend auf keinen Fall verpassen darf…. Überzeugt. Also bin ich morgens mit meinem anderen Roomie Rex und Corine früh aufgestanden und auf gings zum ersten Tauchgang. 7 Uhr, starke Strömung, ich hatte etwas Schiss. Aber ich habs nach unten geschafft ohne die anderen zu verlieren. Die Sicht war an diesem Tag echt fantastisch, ca. 30 Meter. UND: ich habe meinen ersten Hai gesehen! Einen zwei bis drei Meter langen Weißspitzen-Hochseehai. TOLL! Nur die Walhaie und Mantarochen lassen sich einfach nicht blicken. Ich hatte morgens extra meinen Walhaitanz aufgeführt, in der Hoffnung an meinem letzten Tag endlich einen zu sehen. Leider hat sich hier aufgrund der Überfischung und der Eingriffe in das Ökosystem einiges verändert und heute sieht man diese faszinierenden Tiere leider nicht mehr so häufig wie vor zehn Jahren.

Auch beim zweiten Tauchgang war die Strömung sehr stark. Wir haben die meiste Zeit unten damit verbracht uns nicht zu verlieren und abgetrieben zu werden. Es war trotzdem toll. Wieder oben im Boot habe ich gerade begonnen, meine letzte verrückte Rückfahrt zu genießen, als es auf einmal hieß: „Whaleshark! Get your fins and masks back on!“ Und da war er. 7-8 Meter lang, durch meinen Walhaitanz angelockt, extra an meinem letzten Tag. Es war einfach unglaublich. Ich habe ein paar Stunden gebraucht, um dieses tolle Erlebnis zu realisieren. In der Zwischenzeit haben wir es uns mit Mittagsessen am Strand bequem gemacht und mit ein, zwei Bierchen auf den Walhai angestoßen. Abends fand dann die fulminante Party statt, es war wirklich fulminant. Ganz Tofo auf einer Party. Und was mal wieder echt genial war: ich habe an dem Abend ein Pärchen wiedergetroffen, mit denen ich in meinem ersten Hostel in Nairobi an meinem ersten Abend zusammengesessen habe!!! So verrückt. Leider musste ich mich um 4 Uhr verabschieden, da ich eine Gruppe gefunden habe, die mit ihrem Bus direkt nach Swaziland gefahren ist, ohne Zwischenstopp in Maputo, was mir sehr gut passte. Also saß ich zwischen 14 anderen Schnapsleichen für die nächsten 13 Stunden mal wieder in einem Bus. Wunderbar!

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