Israel

Es ist ziemlich genau 2 Jahre her, seit ich aus Südafrika zurückgekommen bin. Jetzt bin ich wieder unterwegs und möchte meine Erinnerungen weiter hier festhalten, wie ein Reisetagebuch, aber auch für Außenstehende sichtbar, zumindest für die, die es interessiert.

In den letzten zwei Jahren hat sich viel verändert, ich habe mein Medizinstudium abgeschlossen (12/2017) und ein halbes Jahr in der Geriatrie in Buch als Assistenzärztin gearbeitet, mich aber vorher schon entschlossen, doch noch einen anderen Weg einzuschlagen und Meeresbiologie zu studieren. Deshalb bin ich vor einem Dreivierteljahr nach Schottland gezogen, habe inzwischen die ersten zwei Semester hinter mich gebracht und fühle mich in Edinburgh wohler, als ich mir je hätte wünschen können. Nun sind Semesterferien und ich wollte etwas „meeresbiologisches“ machen. Daher habe ich mich für ein Praktikum in Dahab (Ägypten) angemeldet, dabei geht es um den Schutz von Korallenriffen. Und naja, wenn man schon einmal in der Gegend ist, dachte ich mir, nehme ich das zum Anlass, mir auch Israel anzusehen, da ich schon ewig hierher wollte.

Lange Rede, kurzer Sinn, jetzt sitze ich im Golden Sea Hostel in Tel Aviv, hier bin ich vor 5 Tagen angekommen und ich bin einfach begeistert von Israel. Ich hatte meine letzte Prüfung (Chemie) letzten Donnerstag, habe dann etwas chaotisch gepackt, meine Wohnungsschlüssel an meine Untermieter weitergegeben und mich mit ein paar Drinks von meinen Freunden und Kollegen in Edinburgh verabschiedet. Danach gings ohne zu schlafen direkt zum Flughafen, kurzer Flug nach Brüssel und dann den ganzen Tag dort Aufenthalt. Langsam spürt man es doch, wenn man eine Nacht durchmacht, irgendwie war das mit 20 noch anders. Abends dann der Flug nach Tel Aviv und blöderweise kam ich zum ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt an. Erstens war Sabbat (samstags passiert hier gar nichts, noch weniger als sonntags in Deutschland), das heißt, es fuhr noch nicht mal ein Bus vom Flughafen. Zweitens war es die Nacht vor dem Finale des Eurovision Song Contests, also Unmengen an Touris, die Preise noch höher als sowieso schon. Wie auch immer, meine Taxifahrt vom Flughafen war viel zu teuer und dazu kam auch noch Victor, der superreligiöse Taxifahrer mittleren Alters, vor 25 Jahren aus Russland hierher gekommen, für ihn gibt’s nichts schlimmeres als Atheisten und die ganzen Schwarzen auf der Straße, die andauernd nachts betrunken vor sein Auto laufen, würde er am liebsten erschießen. Ich war echt zu müde, um zu argumentieren, aber ich wäre ihm am Ende der Fahrt fast an die Gurgel gegangen. Er ließ mich vor dem Hostel raus und bevor er versuchte mich weiter vollzuquatschen und mir noch mehr Geld abziehen wollte, wurde ich direkt von einem sympathischen Österreicher gerettet. Er hat mich nach 3 Sekunden als Deutsche enttarnt und bestand darauf, mit mir ein Bier am Strand zu trinken. Um 5 Uhr morgens. Ohne Frühstück oder Abendbrot oder keine Ahnung welche Mahlzeit dran war. Naja, aber während ich noch am Rumjammern war, dass ich zu müde war, hatte er schon 4 Bier gekauft und der Strand ist nur 30 Meter entfernt. Ok, überredet. Es war total leer, ruhig, die Sonne ging gerade auf und ich saß dort mit Dinko und trank ein israelisches Frühstücksbier. Wir haben ca. zwei Stunden geredet und hatten echt Spaß. Dinko sieht aus wie ein Teddybär, arbeitet als Journalist und war für den ESC in Tel Aviv. Am Ende hat er mich eingeladen, ihn und seinen Lebensgefährten in Wien zu besuchen.

Den restlichen Tag habe ich mit einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und Mittagsschläfchen am Strand verbracht. Ich habe noch nie irgendwo so viele Polizisten gesehen, in den Nachrichten haben sie gesagt, es seien 20.000 zum ESC in der Stadt. Alle maximal bewaffnet, aber soweit ich weiß, gab es keine besonderen Vorkommnisse. Im Hostel gab es dann abends einiges an Chaos, weil es überbucht war, ich bin einfach schnell zum nächsten Humusladen geflüchtet und habe mir ein delikates Abendessen gegönnt.

 

Hier noch zwei Sachen, die mir direkt aufgefallen sind: 1. Ich habe noch nie so viele extrem schöne Menschen gesehen, Männer und Frauen. Die meisten mit dicken dunklen Haaren und blauen Augen, einfach schön. 2. Ich verstehe diesen Hype mit den E-Scootern nicht. Ich weiß, dass es gerade eine große Diskussion in Deutschland deswegen gibt. Hier sind die Straßen schon voll damit. Überall fahren diese Scheiß-Dinger rum, auf der Straße zwischen den Autos, auf den Fahrradwegen, auf den Gehwegen und alle zwei Minuten wird man fast von einem angefahren. Was ist denn aus Fortbewegungsmitteln wie dem Fahrrad geworden? Da ist man genauso schnell und tut auch noch etwas Gutes für seinen Körper. Außerdem halten die E-Scooter-Fahrer sich hier an gar keine Regeln und Gesetze, geschweige denn Ampelzeichen. Ich sage nicht, dass ich es nicht mal ausprobieren würde, aber prinzipiell wünschte ich mir, die Dinger würden wieder verschwinden.

Ok, nun zurück zum Thema…

Die nächsten Tage bin ich jeden Morgen zur ägyptischen Botschaft gelaufen, da ich noch ein Visum brauchte… Hier ein Bild von dem „Raum“, in dem die Visa beantragt und ausgestellt werden.

IMAG3780

Es ist so eine Art Garage/Wellblechanbau, halb offen und ausgestattet mit Parkbänken und alter Spülmaschine. Mein erster Gedanke war, dass ich niemals meinen Reisepass hier lassen werde. Aber irgendwie hatte ich keine andere Wahl. Ich habe einen Israeli dort kennengelernt, der seit zwei Wochen täglich auf der Matte steht, manchmal haben sie offen, manchmal nicht, manchmal kommt der zuständige Mitarbeiter eine Stunde zu spät und nie haben sie länger als eineinhalb Stunden offen. Sie sagen ihm jeden Tag, dass es am nächsten Tag fertig sei. Oh man, das klingt ja erfolgversprechend. Ich habe den Antrag auf der Spülmaschine mit dem einzigen in der Botschaft vorhandenen Kugelschreiber ausgefüllt (er wurde mir sofort danach auch wieder aus der Hand gerissen), ca. 16€ bezahlt und Kopien gemacht. Sie würden mich anrufen, wenn es fertig sein… Ja, aber ich brauche ihn in spätestens 4 Tagen! Normalerweise dauert es mindestens 10. Oh Gott, das kann ja was werden.

Ansonsten bin ich in Tel Aviv über einige Märkte gegangen, habe ganz viel am Strand gelesen und im kristallklaren Wasser gebadet und habe es geschafft keinen Sonnenbrand zu bekommen. Das Wasser erinnert mich an Kroatien und Zypern, aber der Strand ist weniger steinig und sauber. Ab und zu fliegen ein paar Militärhubschrauber über den Strand und die Stadt. Auf den Märkten ist es ein Mix aus orientalisch, arabisch, afrikanisch, europäisch, die Gerüche sind unglaublich vielfältig. Ich könnte stundenlang nur Stände und Menschen auf den Märkten ansehen. Die Radieschen sind hier so groß wie Äpfel und die Auberginen so groß wie Melonen. Überall gibt es kleine Bäckereien mit Baklava und anderem Süßkrams und besonders gefällt mir eine spezielle Süßigkeit, hergestellt aus der Sesampaste Tahini mit Zucker/Honig/Stevia o.ä. und in verschiedenen Varienten erhältlich: Nüsse, Schokolade, Kokos, Früchte… Es nennt sich Halva. Ich muss immer an den Wikingerhäuptling und Vater von Wickie denken, aber der hat noch ein R hinten dran… Außerdem gibt es so viele leckere Früchte, Granatäpfel sind sozusagen die Nationalfrucht von Israel und man kann an jeder Ecke frischgepressten Granatapfelsaft kaufen, finde ich die einzige sinnvolle Art diese Frucht zu sich zu nehmen, da man sich die stundenlange Pulerei spart.

 

 

 

Die nächsten Tage waren mein israelischer Leidensgenosse und ich jeden Morgen in der Botschaft, ich eigentlich nur, weil ich ihnen etwas Druck machen wollte und weil ich Angst hatte, meinen Ausweis nie wieder zu sehen. Am dritten Tag hatte ich tatsächlich mein Visum in der Hand, schneller als alle anderen, die ihre schon vorher beantragt hatten. Ein Mädchen aus Taiwan sagte mir, ihres würde drei Wochen dauern, weil sie aus Asien ist. Ich habe das Gefühl, dass eine deutsche Staatsbürgerschaft einem hin und wieder unfaire Vorteile verschafft. Naja und dazu kam noch meine Renitenz, wahrscheinlich haben sie es auch etwas schneller hingekriegt, damit sie mich loswerden und ich ihnen nicht jeden Tag auf die Nerven gehe.

Am Montag bin ich von Tel Aviv mit dem Bus nach Jerusalem gefahren, die Fahrt dauert etwa eine Stunde und vom Busbahnhof ist man in 20 min zu Fuß in der Altstadt. Was mir als Erstes auffiel: ich hatte noch nie so viele bewaffnete Soldaten gesehen. Alle paar Meter kommt einem eine kleine Patrouille entgegen. Und zwar männliche und weibliche Soldaten zu gleichem Anteil. Ich habe mich in der Stadt mit Ofek getroffen, den hatte ich in Mosambik beim Tauchen kennengelernt. Er hat mir erzählt, dass jeder in Israel nach der Schule zur Armee muss. Männer mindestens 3 Jahre, Frauen mindestens 2. Er hat damals sogar 4,5 gemacht, seine Schwester hat gerade ihr drittes Jahr beendet. Das ist halt anders als bei der Bundeswehr, hier wird andauernd auf den nächsten Angriff oder Krieg gewartet und sich entsprechend vorbereitet. Ofek hatte damals ganz andere Ansichten als heute, sein Vater war auch Offizier und er ist in einem sehr israelisch geprägten Umfeld aufgewachsen. Inzwischen hat er seine Meinung komplett geändert und möchte Freiheit und Gleichberechtigung für alle Menschen und Staaten. Er sagt, das viele Reisen und Kiffen haben ihn entspannter gemacht und seine Ansichten verändert. Übrigens ist Gras hier kurz vor der Legalisierung. Ich hatte mich schon gewundert, weil ich überall mehr kiffende als Zigaretten-rauchende Menschen gesehen hatte, inmitten all der Polizisten, aber das stört hier keinen.

Ofek und ich sind erst über den großen Markt in Jerusalem gelaufen und dann in die Altstadt. Als erstes waren wir an der Klagemauer, ich habe sie mir etwas spektakulärer vorgestellt muss ich sagen, ist halt eine Mauer. Ofek fragte, ob ich hingehen will und er würde solange auf mich warten… Ok, warum können wir nicht zusammen hin? Weil Männer und Frauen getrennt sind. Übrigens auch zu sehr ungleichen Anteilen, die Frauen und Mädchen standen sehr gedrängt in einem kleinen Bereich rechts, der Rest war abgesperrt und schien fast verlassen, so viel Platz wie die Männer haben. Was religiöse Aspekte angeht, ist die Gleichberechtigung noch überhaupt gar nicht vorhanden. Wenns ums Kämpfen in der Armee geht, ist es da schon anders…

Mir fielen in der Stadt auch überall die (wie Ofek sie nennt) „ultrareligiösen Juden“ auf. Mit schwarzen Mänteln in der Hitze, Hüten und ihren Löckchen hinter den Ohren. Viele nehmen es hier halt sehr ernst mit der Religion, egal welcher sie angehören, genau deshalb gibt es leider so viele Konflikte. Die Altstadt Jerusalems ist aufgeteilt in verschiedene Viertel, das jüdische, das christliche, das armenische und das muslimische. Wir sind ein bisschen durch die unterirdischen Gassen gelaufen, an hunderten von Marktständen vorbei, in verschiedene Kirchen und Synagogen rein. Es ist wie ein Labyrinth und man weiß nie, was einen als nächstes erwartet.

Ost-Jerusalem wird von den Palästinensern beansprucht, allerdings gibt es keine klare Abgrenzung. Nur in die Moscheen hinter der Klagemauer dürfen keine Juden rein. Und es gibt an den Busbahnhöfen und am Eingang zur Altstadt Sicherheitskontrollen wie am Flughafen, allerdings werden diese auch nur so halbherzig durchgeführt. Es gibt auch viele undercover-Soldaten, so richtig undercover sind die allerdings auch nicht, weil man sie immer an ihren „Walkie-Talkies“ erkennt.

Ofek und ich haben zum Abendessen  jeder eine große Schale Humus gegessen. Bei ihm war es tatsächlich schon eine ganze Woche her, seit er eine große Portion Humus hatte. Dazu gibt es immer eine geviertelte Zwiebel, die einzelnen Scheiben nimmt man zum Dippen, wie Brot, damit man davon nicht zu schnell voll wird. Fand ich erst befremdlich, so eine rohe Zwiebel zum Dippen zu nehmen, aber der Humus neutralisiert sehr gut. Als Absacker habe ich ein lokales Bier probiert und Ofek hat sein Lieblingsbier getrunken: Becks. Abends im Bus zurück nach Jerusalem hat mir mein Sitznachbar was vorgesungen, ich hatte nicht darum gebeten und irgendwann so getan als würde ich schlafen.

 

Meine Füße waren nach dem ganzen Herumgelaufe in den Sandalen schon echt mitgenommen und voller Blasen (an den Fußsohlen!!!) und jeden Abend, wenn ich erschöpft zurück ins Hostel kam, wollte ich einfach nur sitzen. Allerdings habe ich jedes Mal vergessen, dass die Sitzsäcke, wenn man sich auf ihnen niederlässt, den gesammelten Pupsgeruch von 20 Jahren versprühen. Der bleibt dann ca. 2-3 Minuten in der Luft, egal wie sehr man versucht ihn zu ignorieren. Aber wenigstens tun die Füße nicht mehr weh. Es gab noch einige weitere Besonderheiten im Gold Sea Hostel. Ich war in einem 8er Zimmer, welches ein Durchgangsbad hat. Das heißt, es wird Tag und Nacht viel durchgegangen. Außerdem hat dieses Bad keine Tür, nur einen dünnen Vorhang. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen, ich war sehr dankbar für meine Ohrenstöpsel. Einen Tag und eine Nacht gab es auch keine Elektrizitär, es saßen alle abends im Dunkeln blöd rum und wussten nichts mit sich anzufangen, denn WLAN ging natürlich auch nicht, deshalb konnte man nicht am Handy rumhängen. War eine unangenehme Atmosphäre und alle sind früh ins Bett. Menschen sind schon komisch. Am nächsten Tag sah ich den Hostelbesitzer mit einer Kabeltrommel auf dem Dach rumklettern. Das hats merkwürigerweise auch nicht gebracht, aber war lustig zuzusehen.

Übrigens, nur so nebenbei, Israel ist um einiges fortschrittlicher als jedes andere Land, was Veganismus angeht. Zum einen sind die meisten Gerichte ohnehin vegan, zum anderen bekommen Veganer auch Vorteile, wenn sie folgender Gesellschaft/Organisation beitreten: Vegan-Friendly (https://www.vegan-friendly.co.il/). Man kann dort Mitglied werden, was man an Mitgliedschaft bezahlt, spendet man an eine gemeinnützige Organisation seiner Wahl und man bekommt dafür haufenweise Ermäßigungen in Restaurants, kriegt vegane Produkte zugeschickt usw. Es werden vegane Feste und Festivals organisiert und immer mehr Hotels und Restaurants kooperieren. Tolle Sache, Ofek macht da als Oberveganer Israels natürlich mit und hat mir davon erzählt. Eine sehr gute Möglichkeit mehr Leute von tierischer Nahrung abzubringen und damit natürlich etwas gegen den Klimawandel zu tun.

An meinem letzten Tag in Israel habe ich mich früh morgens wieder auf eine abenteuerliche Busfahrt begeben. Es wird sich hier zwar größtenteils an Ampeln usw. gehalten, aber die Busse fahren immer schon los, wenn man noch halb auf dem Bürgersteig steht und die Tür offen ist. Außerdem ist jede Bremsung eine Vollbremsung bei der man sich entweder seine Kniescheiben zertrümmert oder die Nase bricht. Hinten meckern alle rum und der Busfahrer ignoriert’s. Jedenfalls bin ich zum Toten Meer gefahren. Da es östlich von Jerusalem ist, hatte ich auf meinen Reisepass gewartet, allerdings war mir auf der Hinfahrt überhaupt keine Grenze aufgefallen. Wir waren dann im Westjordanland und es ist mir nur aufgefallen, weil alle Schilder nun auf hebräisch, englisch und arabisch waren. Sobald man außerhalb Jerusalems ist, ist man praktisch direkt in der Wüste, ab und zu sieht man ein paar Wellblechhütten und Esel, aber das war’s dann auch schon. Irgendwann kommen dann große Palmenplantagen (ich nehme an für Datteln? Oder Öl?) zwischen ein paar Wasserreservoirs und dann eine Bushaltestelle im Nirgendwo, von der man eine halbe Stunde in der sengenden Hitze durch die kahle Landschaft läuft und dann das Tote Meer sieht. Tot, weil es einen 10mal höheren Salzgehalt hat, als normale Meere (es ist ja auch eigentlich kein Meer…) und deshalb für Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen nicht bewohnbar ist. Übrigens ist das Ufer des Toten Meeres der tiefste Punkt auf der Erde, der sich nicht unter Wasser befindet. Es liegt ca. 423 Meter unter dem Meeresspiegel. Aus dem Bus heraus sieht man am Straßenrand irgendwann eine Markierung, wenn man auf Höhe des Meeresspiegels ist und dann geht es immer weiter bergab. Ich habe dann noch etwas weiter im Internet gelesen, das Tote Meer selbst ist 377 Meter tief und damit der tiefste hypersaline See der Welt. Coole Sache.

Der öffentliche Strand im Norden heißt Kalia beach, man muss Eintritt bezahlen und es ist eher wie ein Resort zu Beginn, mit Bars, Restaurants, Shops usw. Weiter unten kommt man dann zum eigentlichen Strand, der eher aus festgetretenem Matsch besteht. Abgesehen von dem hohen Salzgehalt ist das Tote Meer ja auch für seinen Schlamm bekannt, den man in jedem Drogeriemarkt als Maske kaufen kann. Oben im Resort haben sie eine kleine Tüte für 25$ verkauft. Aber ich, als Tochter eines Schwaben, habe mir einfach direkt von der Quelle ein großes Glas abgefüllt. Damit könnte ich jetzt theoretisch reich werden.

 

Mein erster Gang zum Wasser war sehr schmerzhaft. Der Boden ist heiß, selbst wenn man auf einen kleinen Zipfel Schatten tritt. Das Wasser ist relativ erfrischend, man glitscht aufgrund des vielen Schlamms am Boden mehr oder weniger hinein ohne kontrollieren zu können, was man da macht. Kaum ist man hüfthoch drinnen, kann man noch weniger kontrollieren was passiert, weil es einem direkt die Beine hochzieht. Schon ein komisches Gefühl, man liegt da einfach rum, ohne etwas zu machen. Aber es brennt einem auf der Haut und die Konsistenz des Wassers ist irgendwie komisch. Trotzdem, das Gefühl kann man wohl nur mit Schwerelosigkeit übertreffen. Vorm zweiten Gang ins Wasser habe ich mir eine Schlammmaske gegönnt. Danach dummerweise mein Gesicht mit dem Salzwasser abgewaschen. Ich dachte eine Minute, ich sei erblindet, so brennt einem das auf den Schleimhäuten und das Auge tränt solange, bis das Salz ausgeschwemmt ist. Man muss sich unbedingt jedes Mal nach Verlassen des Wassers abduschen, sonst kristallisiert das Salz auf der Haut sobald man trocknet. Unter den Duschen läuft das ganze Wasser in den Boden und dort sammelt sich das abgewaschene Salz kiloweise an.

Am Nachmittag hat es mir dann gereicht mit Salz und Hitze und ich habe mich auf den Rückweg gemacht. Beim Verlassen vom Westjordanland haben wir dann eine richtige Grenze überquert, viele gewehre, viele Soldaten. Aus Israel raus kommt jeder, aber wieder zurück rein ist es schwerer. Naja, aber so wirklich kontrolliert haben die da jetzt auch nichts. Zurück nach Jerusalem, zurück nach Tel Aviv. Noch einmal über den Markt, noch einmal an den Strand, ich werde Israel vermissen.

 

 

 

 

 

 

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