Afrikanische Schweiz

An der Grenze von Mosambik nach Swaziland merkte ich mal wieder, wie klein die Welt ist. Kaum war ich aus dem Bus ausgestiegen, traf ich auf Agnes, meinen Dorm-Roomie aus Tofo, die zwei Tage vor mir abgereist war. Wir wussten zwar, dass wir beide Richtung Swaziland wollten, aber nicht an welchem Tag. Und dann sind unsere Busse auch noch genau zur gleichen Zeit an der Passkontrolle! Und wir waren nicht nur auf dem Weg in die gleiche Stadt, sondern auch noch in die gleiche Unterkunft. Die Welt ist verrückt! Also haben wir uns im Backpackers wiedergesehen und schwups, waren wir wieder Roomies. Zusammen mit viel zu vielen Mücken und Ameisen.

Mit einem anderen Mädel aus dem Hostel haben wir am nächsten Vormittag eine Wanderung unternommen. Direkt hinter dem Backpackers befindet sich „Sheba’s Breast“, ein zweigipfliger Berg. Deshalb Breast. Brüste… Höhö. Wir haben beide Brüste erklommen, unterwegs einige Affen gesehen und die schöne Aussicht genossen. Am nächsten Tag wollten wir in einen Kletterwald. Wir haben nach ca. zwei Stunden Fahrt gemerkt, dass wir viel zu weit gefahren waren. Also mussten wir fast die ganze Strecke wieder zurück und waren dann genau in der Mittagshitze da. Es hat aber trotzdem unglaublich viel Spaß gemacht und die Landschaft ist echt wunderschön! Wir haben es dann tatsächlich geschafft, auf dem Rückweg noch einmal in den falschen Bus zu steigen und uns zu verfahren. War wohl irgendwie nicht unser Tag was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft.

Swaziland ist heute das einzige afrikanische Land, in dem die Staatsform eine absolute Monarchie ist. Es ist echt klein, vor allem im Vergleich zu den Nachbarländern Mosambik und Südafrika, hat 1,4 Mio. Einwohner. Ich fand die Landschaft echt beeindruckend und vor allem sehr anders als in den Ländern, wo ich vorher war. Es hat mich manchmal ein bisschen an die Schweiz erinnert, grüne Hügel und Berge überall. Die Hauptstadt, Mbabane, ist ein geordnetes Chaos, auch hier gibt es als Hauptverkehrsmittel noch überall die Minibusse, die sich mehr oder weniger an die Verkehrsregeln halten und einen mehr oder weniger häufig fast über den Haufen fahren. Direkt daneben gibt es allerdings supermoderne Einkaufszentren und Bankgebäude. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass Swaziland mit durchschnittlich nur 32 Jahren die niedrigste Lebenserwartung weltweit hat. Und die höchste AIDS-Rate, ca. 40%. Krass.

Am 01.11. sind Agnes und ich zu neuen Ufern aufgebrochen. Wir haben in Mbabane einen Bus nach Johannesburg bekommen und nach ca. 30 min waren wir an der Grenze. Ich muss sagen, dass ich langsam echt aufgeregt war, vor allem als ich dann das „Welcome to South Africa“-Schild gesehen habe… Meine neue Heimat!!! Wuhuuuu!!!

Da ich jetzt wieder die etwas westlichere Welt betrete, hier ein kleines Resümee meiner bisherigen Reise: es war einfach nur fantastisch! Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, so viel Spaß gehabt und so viele spannende Sachen erlebt… Ich hatte im Vorhinein natürlich schon meine Bedenken, ob es das richtige ist, alleine durch Afrika zu reisen, doch jetzt weiß ich, dass es die beste Entscheidung überhaupt war, dass ich es kein bisschen bereue und dass viele andere auch alleine verrückte Trips unternehmen. Man lernt so leicht Menschen kennen, man ist total unabhängig und flexibel und man kriegt immer überall einen Schlafplatz. Ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit gehabt, um an einigen Orten noch länger zu verweilen. Mir viel es sehr oft ziemlich schwer mich von bestimmten  Leuten oder Städten zu verabschieden und weiterzureisen, das hätte ich nie gedacht… Ich habe wirklich jeden Moment genossen.

Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Tag lang keine Banane gegessen habe, wann ich das letzte Mal ohne Mückennetz geschlafen oder aus dem Wasserhahn getrunken habe. Wann ich das letzte Mal etwas gekauft habe, ohne über den Preis zu verhandeln. Oder wann ich das letzte Mal den ganzen Tag lang Schuhe anhatte und mit sauberen Füßen ins Bett gegangen bin. Oder wann ich das letzte Mal alleine in einem Raum geschlafen habe ohne fremde Menschen um mich herum.

Ich werde das alles echt vermissen.

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