Time to say goodbye

Dies ist der letzte Eintrag in meinem Blog. Im letzten ging es um meine Arbeit, hier noch einmal ums Vergnügen! Denn das ist während meiner Zeit in Kapstadt definitiv nicht zu kurz gekommen. Ich habe viel Zeit draußen verbracht. Jetzt wo ich seit einem halben Jahr wieder in Berlin bin, vermisse ich das am meisten. Den Strand, die Berge, die Sonne, die freundlichen Menschen und die Stadt an sich. Es war wirklich nie langweilig.

Ich bin Ende Februar vom Tygerberg Campus weggezogen in eine Studentenunterkunft  in Kapstadt. Da ich beschlossen hatte, meine Zeit in Kapstadt über das erste Tertial hinaus zu verlängern und weiter in Khayelitsha arbeiten wollte, war es so sinnvoller. Ich habe in einem alten Haus mit sechs Holländern und einer Schwedin gewohnt. Und eine süße Katze war auch noch da…

Ein Highlight war auf jeden Fall der Besuch meiner Eltern. Ich glaube Fotos sprechen jetzt mehr als 1000 Worte…

Wir haben auf jeden Fall eine sehr abwechslungsreiche und spannende Woche zusammen erlebt! Ansonsten habe ich sehr viel Zeit mit meinen Kollegen aus der Rettungsstelle verbracht. Sie sind mir alle wirklich ans Herz gewachsen.

 

Und in den letzten Wochen habe ich noch einmal richtig auf die Kacke gehauen. Paragliding, Tauchen, Schnorcheln, alles was ich mir noch vorgenommen hatte, habe ich auch gemacht.

Und jetzt, wo ich das alles noch einmal Revue passieren lasse, wird mir noch mehr klar, was für eine unglaublich tolle Zeit ich hatte. Nicht nur in Kapstadt, auch davor. Diese acht Monate haben mich wirklich sehr geprägt und verändert. Am Anfang dachte ich selbst, es wäre eine Schnapsidee und jetzt weiß ich, dass es die beste Schnapsidee war, die ich je hatte.

Damit beende ich diesen Blog nun, es war schön aber auch etwas komisch, dass Leute tatsächlich gelesen haben, was ich so geschrieben habe. Vor allem aber ist es für mich wie eine Art Tagebuch geworden, das ich mir hoffentlich noch sehr oft mehr oder weniger melancholisch ansehen werde um mich an die guten alten Zeiten auf meiner Afrikareise zu erinnern.

 

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Willkommen in Khayelitsha

VORWARNUNG: es folgen einige unzensierte Bilder direkt aus der Rettungsstelle, die höchstwahrscheinlich sehr schockierend für viele sind.

Vor fast einem Jahr habe ich mein PJ in Kapstadt begonnen. Obwohl es mir vorkommt, als wäre das alles schon Ewigkeiten her, habe ich noch eine Aufgabe zu erledigen. Ich habe es jetzt lange genug vor mir hergeschoben, doch nun ist es an der Zeit diesen Blog  zu einem würdevollen Ende zu bringen. Dazu hatte ich noch in Kapstadt zwei letzte Einträge begonnen, die ich nun beenden und veröffentlichen möchte. In diesem ersten geht es um meine Arbeit während des PJs.

Ein kurzes erklärendes Vorwort: die Krankenhäuser, in denen ich mein PJ verbracht habe, sind staatliche Krankenhäuser. Das heißt, der Staat (also der Steuerzahler) bezahlt das Personal, die Behandlungen, die Medikamente usw. In Südafrika zahlen allerdings nur wenige Leute Steuern, weil viele arbeitslos sind oder illegal arbeiten. Und dadurch besitzen die meisten auch keine Krankenversicherung (mir wurde gesagt, dass nur ca. 20% der Südafrikaner krankenversichert sind, ich weiß nicht ob das stimmt, aber es könnte gut hinkommen). Ich kann bis heute immer noch nicht so richtig verstehen, wie das funktionieren kann, aber wahrscheinlich liegt das nur daran, dass ich es aus Deutschland so anders gewöhnt bin.

Eigentlich sollte ich mein erstes Tertial von November bis März in der Anästhesie im Tygerberg Hospital verbringen, doch dort war ich nur eine Woche. Denn dann bot sich mir und meiner Mitbewohnerin Alix eine viel spannendere Möglichkeit. Etwa 25 km außerhalb des Stadtzentrums von Kapstadt liegt eines der größten und ärmsten Townships Südafrikas (Townships sind die Siedlungen außerhalb der Städte, in die die Schwarzen während der Apartheid umgesiedelt wurden). Khayelitsha hat ca. 300.000 bis 3 Mio. Einwohner (es gibt keine verlässlichen Zählungen und die Dunkelziffer ist sehr hoch), ist eines der ärmsten Gebiete in Südafrika und hat eine extrem hohe Kriminalitätsrate. Viele Menschen leben in Holz- oder Wellblechhütten ohne sauberes Wasser und Elektrizität, viele sind arbeitslos, viele haben Alkohol- oder Drogenprobleme und viele sind dadurch oftmals so verzweifelt, dass sie ihr Leben und das von anderen riskieren. 2012 wurde ein neues und vergleichsweise sehr modernes Krankenhaus in Khayelitsha gebaut. Die Rettungsstelle wird von Dr. Saad Lahri geleitet, der auch im Tygerberg tätig ist. Er suchte nach Studenten, die im Dezember in der Rettungsstelle von Khayelitsha mitarbeiten wollten, da es zu der Zeit besonders viel zu tun gibt. Ailx und ich trafen uns also zu einem Gespräch mit ihm, wurden als akzeptabel befunden und vereinbarten, dass wir ab 01.12. in Team 4 beginnen sollten.

Es gibt 4 Teams in der Rettungsstelle von Khayelitsha, die alle aus unterschiedlichen Mitgliedern, von Oberärzten bis Studenten, zusammengesetzt sind. Die Teams rotieren ständig und wechseln einander ab. So hat man normale Frühschichten, Spätschichten und bis zu 13 Stunden lange Tag- oder Nachtschichten. Dr. Lahri erklärte uns vorab, dass wir immer zu zweit im Auto fahren sollten, nicht außerhalb des Krankenhauses anhalten sollten und dass wir im Dunkeln mit unseren Kollegen aus dem Team in Kolonne zur Arbeit und nach Hause fahren sollten. „Ok… Alles klar… Er wird schon seine Gründe haben…“ dachten wir uns. Wir haben ihn noch gefragt, warum denn im Dezember besonders viel los ist. „In Südafrika gibt es Mitte Dezember einen Feiertag und dann kommt ja kurz danach schon Weihnachten!“ hat Dr. Lahri uns daraufhin erklärt. „Ja, aber warum ist dann in der Rettungsstelle mehr los?“ „Naja, es ist wie an jedem Wochenende auch, die Leute fangen an sich zu betrinken, weil sie am nächsten Tag nicht arbeiten müssen, werden aggressiv und fangen an sich gegenseitig umzubringen.“ Alles klar soweit.

Wir fingen also im Dezember in der Rettungsstelle von Khayelitsha an, Treffpunkt: Fika. Fika ist der allseits beliebte Pausenraum, der vor einigen Jahren von schwedischen Ärzten so bennant wurde. Wir wurden schon von anderen Studenten vorgewarnt, dass Dr. Lahris größte Leidenschaft Kaffee ist und dass der Höhepunkt eines jeden Arbeitstages das Zusammensitzen und Kaffeetrinken in der Fika ist. Dort wurden wir am ersten Tag also herzlich mit einem frisch gekochten Kaffee begrüßt. In den Teams arbeiten sowohl Ärzte und Studenten aus verschiedenen südafrikanischen Kulturen, als auch wechselnde internationale Mediziner zusammen, was die kollegiale Atmosphäre besonders abwechslungsreich und spannend macht. Ein englische Arzt führte uns am ersten Tag herum und zeigte uns, wo wir Spritzen, Nahtmaterial usw. finden konnten.

Unser erster Patient ließ nicht lange auf sich warten. Wir bekamen eine Nachricht von einem der Krankenwagen, dass sie einen jungen Mann zu uns bringen würden, „dessen Kopf einen Schlag mit einem Golfschläger abbekommen hatte“. Naiv, wie ich am ersten Tag noch war, dachte ich mir „Ok, das ist aber wirklich Pech, wenn man sich beim Golfen so sehr verletzt, dass man ins Krankenhaus muss!“ Als ich den jungen Mann, dann sah, blutüberströmt, der gesamte Kopf völlig verbeult und mit mindestens 10 tiefen Platzwunden, war meine erste völlig verblüffte Frage an den Arzt: „Das war aber kein Golfunfall, der wurde doch von irgendjemandem fast totgeschlagen!!!“ Daraufhin musste der Arzt etwas lachen und meinte: „Willkommen in Khayelitsha! Ich dachte, du wusstest, dass das ironisch gemeint war mit dem Golfunfall…“. Also nahmen Alix und ich uns den Patienten vor, begannen seine Wunden zu reinigen und sie zu nähen. Als wir eine Stunde später immer noch nicht fertig waren, meinte der Arzt, wir sollten ihm keine Wellnessbehandlung geben, sondern etwas hinne machen, der nächste Patient wartet schon. Wir haben auch schnell gelernt, dass die Sterilität hier nicht so steril ist, wie wir es aus Deutschland gewohnt waren. Dadurch, dass man meistens wirklich schnell handeln musste, blieb für so etwas manchmal keine Zeit. Und wenn es gerade nicht genug Nadeln gab, musste man die halt aufbewahren und beim gleichen Patienten später noch einmal benutzen. Gar kein Ding. Nur aufpassen, dass man sich zwischenzeitlich nicht daran sticht. Aber ansonsten gar kein Ding. In Deutschland undenkbar.

Während unserer ersten Pause mit den Teamkollegen in der Fika fiel uns gleich auf, dass alle große Essenspakete dabei hatten. „Kann man hier nicht irgendwo etwas zum Mittagessen kaufen?“ fragten wir. „Naja, es gibt eine kleine Cafeteria, aber sonst nichts…“ war die Antwort. „Aber wir haben gesehen, dass es direkt neben dem Krankenhaus einen Supermarkt und KFC und andere Läden gibt, kann man sich da in der Pause nicht etwas zu Essen holen?“ Daraufhin wurden wir erst einmal aufgeklärt: Niemand verlässt das Krankenhausgelände, auch nicht am Tag und auch nicht zu zweit oder zu dritt. Der letzte Arzt, der sich zum Mittag mal eine Pommes bei KFC geholt hat, kam wohl nicht mehr zurück. „Wie jetzt? Was ist denn mit ihm passiert?“ fragten wir. „Naja anscheinend wurde er erschossen.“ Alles klar, wir bringen unser Essen lieber auch von zu Hause mit. Durch solche Geschichten wurde mir endgültig bewusst, dass ich nicht im wohlbehüteten, sicheren und oft langweiligen Deutschland bin. Z.B. hat eine der Sekretärinnen aus dem International Office, die unsere Papiere für die heimischen Unis unterschreiben sollte, uns erklärt, warum sie keine Bescheinigungen unterschreibt, bevor man nicht wirklich fertig ist mit dem Praktikum: „Vor zwei Jahren war hier mal ein ausländischer PJ-Student, der eine Woche vor Praktikumsende seine Unterschrift wollte. Leider ist er ein paar Tage danach in Kapstadt in einen Streit geraten und wurde erstochen. War natürlich ein extremer bürokratischer Aufwand das zu erklären, dass ich ihm sein PJ bescheinigt habe, obwohl er da schon tot war. Seitdem mache ich das nicht mehr.“ Ein weiterer Augenöffner für mich war der Grund, warum wir nicht in einem Krankenwagen mitfahren sollten. Das hatte ich mir zu Beginn der Arbeit in der Rettungsstelle nämlich wirklich gewünscht, dass wir vielleicht ab und zu mal im Krankenwagen mitfahren können. Lahri sagte mir, dass er das nicht verantworten könne, weil es wirklich zu gefährlich sei. „Oft ist es so, dass man mitten in einen Konflikt zwischen zwei Gangs kommt. Die eine Gruppe will, aus welchem Grund auch immer, ein Mitglied der gegnerischen Gang umbringen. Die Freunde des Verletzten rufen den Krankenwagen und wenn man da ankommt, gerät man direkt zwischen die Fronten. Wenn man versucht, den Verletzten mitzunehmen oder ihm zu helfen, wird man von den verfeindeten Gangmitgliedern bedroht, weil sie ihn erledigen wollen. Wenn man ihn da liegen lassen will, hält dir einer der Gangmitglieder des Opfers eine Pistole an den Kopf, weil sie wollen, dass du ihren Freund rettest. Was machst du dann?!?“ Ok, Krankenwagenfahren muss nicht sein, so viel Aufregung brauche ich dann doch nicht. Aber seitdem ist mein Respekt vor der Arbeit der Sanitäter ins Unermessliche gestiegen.

Nicht, dass Alix und ich uns auf dem Weg zum oder vom Krankenhaus nie unwohl gefühlt hätten. Gerade nachts, wenn viele Leute besoffen über die unbeleuchteten Straßen laufen, fängt man doch an sich seine Gedanken zu machen. Oder man kriegt Angst, jemanden zu Überfahren, weil es gang und gäbe ist, nachts besoffen dunkle Straßen zu überqueren, auch die Autobahnen. Unser erster Leihwagen war echt ein Schrotthaufen, einmal ist mir auf dem Weg zur Arbeit beim Fensterschließen auf einmal die ganze Scheibe entgegengekommen. Außerdem haben wir uns nicht sehr wohl dabei gefühlt, dass riesengroß auf unserer Heckscheibe „Richies Rentals Cars“ stand, müssen ja nicht alle gleich wissen, dass zwei ausländische, ahnungslose und sicherlich unbewaffnete Mädels da drin saßen. Nachdem ich im Februar in eine andere Unterkunft in Kapstadt gezogen war und nicht mehr mit Alix zusammengewohnt habe, habe ich mir dann auch ein anderes Auto geliehen. Sogar mit Zentralverriegelung. Da ich dann auch oft alleine zur Arbeit gefahren bin, schien mir das doch etwas sicherer. Prinzipiell war auch nur das letzte Stück direkt in Khayelitsha vor dem Krankenhaus manchmal besorgniseregend. Wir versuchten einfach immer, so unauffällig wie möglich zu fahren und so selten wie möglich anzuhalten, außer an der einen Ampel, wo man immer warten musste. Aber dort stand schon immer Lucky bereit, der unter großem Hallo unsere Scheibe putzen wollte und sich jedes Mal bei unserem Anblick unglaublich gefreut hat (einer der Ärzte kennt ihn und hatte uns schon vorab erklärt, dass Lucky wirklich ein Netter ist und wir bei ihm nichts zu befürchten haben). Das war also der einzige Moment auf dem Weg durch Khayelitsha, wenn wir das Fenster mal einen kleinen Spalt geöffnet haben, um Lucky zu fragen, was es so neues gibt und um ihn zu bezahlen. Und dann wieder ganz schnell Fenster zu und weiterfahren. Wir waren uns auf jeden Fall einig, dass wir selbst wenn wir eine Panne gehabt hätten, nicht ausgestiegen wären. Zum Glück ist es nie dazu gekommen.

Ein Thema, das uns vom ersten bis zum letzten Tag beschäftigt hat: Tuberkulose. Und HIV. Südafrika ist eines der Länder mit der höchsten HIV- und Tuberkuloserate weltweit. Das größte Problem ist, wie so oft, die fehlende Aufklärung. Lahri hat uns von Anfang an gesagt, dass wir unsere eigene Gesundheit nicht aufs Spiel setzen sollten und, auch wenn es mal schnell gehen muss, immer Handschuhe anziehen und vorsichtig mit Nadeln umgehen sollten. Ich würde mal schätzen, dass ca. 30-50% der Patienten in Khayelitsha HIV positiv waren. Und obwohl sie kostenlos gute HIV-Medikamente kriegen, nehmen nur die allerwenigsten sie regelmäßig ein. Das ist nicht nur bei den HIV-Patienten ein Problem. Ich konnte es immer wieder kaum fassen, wie viele Patienten immer wieder regelmäßig auftauchten, weil sie wieder einen epileptischen Anfall hatten oder wieder eine Lungenentzündung und sich dann oft herausgestellt hat, dass sie ihre Medikamente nicht genommen hatten. Entweder sie haben es vergessen oder sie vertrauen den Ärzten und den Medikamenten nicht oder sie haben einfach nicht richtig verstanden, was sie haben und warum sie behandelt werden müssen. Die Arzt-Patienten-Kommunikation ist auf jeden Fall ein großes Problem. Die Ärzte haben zu viel zu tun und können sich nicht für jeden ausreichend Zeit nehmen, manchmal besteht zusätzlich noch eine Sprachbarriere (für die meisten Ärzte ist Englisch oder Afrikaans die Muttersprache, während es bei den Patienten in Khayelitsha Xhosa ist) und dazu kommt noch, dass viele Ärzte den Versuch aufgegeben haben, die Patienten aufzuklären, wahrscheinlich weil sie zu viele Negativbeispiele gesehen haben. Und genau dadurch entsteht ein Teufelskreis, weil die Patienten verständlicherweise noch weniger Vertrauen zeigen, wenn sie nicht Bescheid wissen oder den Arzt gar nicht erst verstanden haben. Die Therapieschritte werden also oft nicht befolgt, die Patienten kommen kurz darauf zurück ins Krankenhaus, daraufhin kommunizieren die Ärzte noch weniger, weil sie es als hoffnungslos erachten, usw. usw.

Aber zurück zum Thema Infektionskrankheiten… Ich habe natürlich noch nie so vielen HIV-positiven Menschen Blut abgenommen. Gerade wenn die Patienten schon wussten, dass sie positiv sind und dir auch erzählt haben, dass sie ihre Medikamente seit Monaten nicht genommen haben, da habe ich mir dann schon extra viel Mühe gegeben, nicht mit der Nadel abzurutschen. Handschuhe habe ich sowieso immer getragen, auch wenn es natürlich keinen Unterschied macht, wenn ich mit der blutigen Nadel da durchsteche. Aber es gibt einem irgendwie ein besseres Gefühl. Die meisten meiner südafrikanischen Kollegen, haben das mit dem Desinifizieren und Handschuheanziehen wirklich nur gemacht, wenn sie genug Zeit hatten. Ich muss zugeben, dass mich die Vorstellung mich mit HIV zu infizieren bis zum Schluss mehr verängstigt hat, als die Vorstellung überfallen oder angegriffen zu werden. Auch wenn ich natürlich weiß, dass es sehr unwahrscheinlich ist, sich mit einer Stichverletzung selbst zu infizieren.

Eine weitere Schutzmaßnahme waren die Tuberkulosemasken, die uns am ersten Tag in die Hand gedrückt wurden mit dem Hinweis „Kann nicht schaden die zu tragen, gerade wenn jemand dich anhustet. Hier haben fast 80% Tuberkulose…“ Die Masken sind viel dicker als gewöhnliche Einwegmasken, die z.B. im OP benutzt werden. Und sie müssen wirklich direkt auf der Haut anliegen. Uns ist schnell aufgefallen, dass nur ein paar der ausländischen Ärzte und Studenten die Masken wirklich konsequent trugen. Das muss wohl die Angst vor der Infektion sein, die wir heutzutage z.B. in Deutschland kaum noch kennen. Und auch ich habe bei jedem Hustenanfall, der in meiner direkten Umgebung stattfand, zu Beginn panisch die Luft unter meiner Maske angehalten und erst weitergeatmet wenn ich in sicherer Entfernung war. Irgendwann haben wir dann mit einigen der Oberärzte und Dr. Lahri über dieses Thema geredet. Sie meinten, wir sollen die Masken ruhig weitertragen, wenn uns das ein besseres Gefühl gibt, aber einen großen Unterschied würde es wohl nicht machen. Die Tuberkulosebakterien fliegen sowieso in jedem öffentlichen Gebäude/Verkehrsmittel und erst recht in jedem Krankenhaus durch die Luft, da müsste man sich ja überall davor schützen… Außerdem sind sowieso nur „offene Tuberkulosen“ ansteckend. Das heißt, wenn die Lunge gerade akut von Tuberkulose betroffen ist und der Patient noch nicht ausreichend (oder gar nicht) behandelt wird. Wenn man dann angehustet wird, kann es schon sehr gut sein, dass man die Keime selbst einatmet. Wenn jemand mit bekannter offener Tuberkulose in die Rettungsstelle kam oder jemand einfach unangenehm viel gehustet hat, trugen wirklich alle, auch die Oberärzte, plötzlich die Masken. Ich muss zugeben, dass ich sie nach ein paar Wochen ununterbrochenen Maskentragens auch nur noch ab und zu getragen habe, wenn ich das Gefühl hatte, dass es notwendig war. Es war auch einfach zu warm und schwitzig unter diesen Masken und hat leider auch die Kommunikation deutlich beeinträchtigt. Außerdem war es laut Dr. Lahri und den anderen sowieso zu spät für mich, wahrscheinlich hatte ich schon beträchtliche Mengen an Tuberkulosebakterien eingeatmet… Dazu muss man noch sagen, dass bei einem gesunden Menschen keine Tuberkulose ausbricht, selbst wenn sich die Bakterien im Körper befinden. Es werden Antikörper im Blut gebildet (was eigentlich sogar gut ist, denn es stärkt das Immunsystem gegen diese Bakterien, ähnlich wie eine Impfung), die Bakterien können im Körper überleben und nur, wenn man irgendwann einmal sehr abwehrgeschwächt sein sollte (wenn man z.B. eine Chemotherapie hatte, bestimmte Medikamente nehmen muss oder an anderen Krankheiten wie AIDS leidet) kann die Tuberkulose tatsächlich ausbrechen. Wollen wir hoffen, dass das bei mir nie der Fall sein wird, denn so richtig überzeugt haben mich diese Argumente dann doch nicht…

Von den Krankheitsbildern her war es also insgesamt extrem anders als in einer Rettungsstelle in Deutschland. Mal abgesehen von den Infektionen und den Stich- und Schussverletzungen kamen viele Patienten, die nachts auf der Straße angefahren wurden und viele die großflächige Verbrennungen erlitten haben, weil jemand ihre Hütte angezündet hat. Viele Menschen kommen natürlich gar nicht erst in die Rettungsstelle, da sie noch auf der Straße oder zu Hause sterben. Und die, die es mit solch schlimmen Verletzungen bis ins Krankenhaus geschafft haben, haben meist nicht lange überlebt. Leider sterben sehr viele Menschen, trotz unserer stundenlangen Bemühungen. Das hat mich auch nach einigen Monaten immer noch sehr mitgenommen, vor allem, wenn es sich um Kinder gehandelt hat. Kinder sind (meistens zumindest) unschuldig. Sie werden zum Opfer von Betrunkenen, die sie anfahren und dann Fahrerflucht begehen. Oder sie werden auf dem Weg zur Schule vergewaltigt. Oder sie geraten in die verqueren Machenschaften von Gangs. Dass Menschen, denen es schlecht geht irgendwann aus Verzweiflung etwas Dummes tun, kann ich verstehen. Aber nicht, dass ihnen das Leben so gleichgültig wird. Und damit meine ich nicht nur das Leben anderer, sondern auch ihr eigenes. Ich war oftmals so geschockt, wie jung und sinnlos viele gestorben sind und noch schlimmer, dass es anscheinend ganz normal war für alle anderen. Als ob ein Leben nichts wert ist.

Natürlich hängt auch vieles damit zusammen, dass der durchschnittliche Bildungsstand in Khayelitsha sehr gering ist. Es gibt zwar Schulen, die auch kostenlos sind, aber die meisten beenden die Schule nicht und müssen schon als Kinder den Haushalt unterstützen, indem sie illegal arbeiten anstatt zur Schule zu gehen. Viele jugendliche kamen mit psychischen Problemen in die Rettungsstelle. Es gab einige, die versucht hatten, sich umzubringen, weil sie Beziehungsprobleme hatten oder zu hohe Schulden oder manchmal auch nur weil sie das Gefühl hatten, von keinem beachtet zu werden. Ich kann mich erinnern, dass ich einige aufgeschlitzte Handgelenke genäht habe während ich nebenbei versucht habe, auf die Patienten einzugehen und sie zumindest davon zu überzeugen, es nicht zu Hause direkt wieder zu versuchen. An unseren Psychiater wurden allerdings nur wenige weitergeleitet. Das waren dann meist die, die nicht nur eine Gefährdung für sich selbst, sondern auch für ihre Mitmenschen darstellten. Z.B. Schizophrene, die ihre Medikamente nicht genommen hatten. Die kamen dann meistens nicht zu den anderen wartenden Patienten, sondern in den „Käfig“. Das ist ein Raum mit stets verschlossener Gittertür, vor dem immer ein Wachmann saß. In diesem Raum ging es echt drunter und drüber. Manchmal war es etwas beängstigend, aber meistens auch ziemlich lustig. Am Anfang habe ich mich nicht getraut, die psychiatrischen Patienten zu untersuchen, ihnen Blut abzunehmen usw. Aber dann habe ich festgestellt, wenn man ganz ruhig mit ihnen umgeht und sich normal mit ihnen unterhält, waren sie sehr kooperativ. Außerdem saß ja immer einer von den Sicherheitsleuten für den Fall der Fälle daneben. Auch wenn sie sich das echt hätten sparen können. Die Sicherheitsleute waren zwar immer da, ca. acht bis zehn Leute, aber so ein unnützes Pack habe ich echt selten erlebt. Sie saßen meist am Eingang, machten abwechselnd oder alle gleichzeitig ausgiebige Nickerchen und sollten eigentlich die Leute kontrollieren, die kamen und gingen. Jedes Mal wenn wir durch die Vordertür gingen, mussten wir alle unsere Taschen öffnen und vorzeigen. Allerdings hat da nie jemand ernsthaft einen Blick reingeworfen. Und ähnlich inkonsequent (bzw. gar nicht) wurden auch Patienten und Angehörige kontrolliert. Es kam also nicht selten vor, dass die Tatwaffen, wie Messer und Pistolen, auf einmal im Warteraum oder bei der Untersuchung auftauchten oder dass begonnene Konflikte im Krankenhaus fortgesetzt wurden. Auch da fiel das Sicherheitspersonal nicht durch große Hilfsbereitschaft auf. Hingegen waren sie besonders bedacht darauf, jedes Auto, das auf den Personalparkplatz fuhr oder ihn verließ anzuhalten und den Kofferraum zu „kontrollieren“. Am ersten Tag dachten wir, das wäre ein Scherz, vor allem, da nur ein maximal 20 cm großer Spalt des Kofferraums sehr halbherzig und gelangweilt geöffnet wird, niemand wirklich hineinsieht und aus der ganzen Prozedur aber ein Riesenaufwand gemacht wird. Und was bitte erwarten sie denn beim Verlassen des Parkplatzes nach der Arbeit vorzufinden? Hat da mal jemand heimlich eine Leiche raustransportiert? Wir haben uns auf jeden Fall immer köstlich amüsiert und uns einige Dinge überlegt, die wir aus Spaß mal im Kofferraum transportieren könnten, nur um die Reaktion zu sehen. Falls der Kofferraum mal so weit geöffnet wurde, dass man den Inhalt überhaupt gesehen hätte…

Was mich von Anfang an begeisterte, war die angenehme und freundschaftliche Arbeitsatmosphäre. Ich kam mir nie wie der dämliche Student vor, der nur die Arbeiten übernimmt, die kein anderer machen will. Alle wollten, dass wir so viel wie möglich praktisch machen und lernen können. Jeder hat jedem geholfen und es war viel mehr ein richtiges Zusammenarbeiten, als ich es jemals in Deutschland erlebt habe, viel weniger Hierarchie und viel weniger Egoismus. Und trotzdem, bzw. gerade deswegen, habe ich noch keinen Chefarzt erlebt, der so sehr respektiert wurde, wie Dr. Lahri. Sowohl von Patienten, als auch vom Pflegepersonal, den Ärzten und von uns Studenten. Er nimmt sich für jeden Zeit, dreimal pro Woche kommt er zur morgendlichen Visite und schaut sich ausnahmslos jeden Patienten in der Rettungsstelle an, er spricht interessante Fälle mit uns durch, stellt Fragen und erklärt anhand von schauspielerisch und tänzerisch hochwertigen Einlagen medizinische Zusammenhänge. Genau durch diese Art hat Dr. Lahri sich den Respekt von jedem seiner Mitarbeiter verdient. Sie schätzen ihn nicht, weil er der Chef ist und das Sagen hat, sondern weil er ein extrem engagierter und herzlicher Arzt und damit allen ein Vorbild ist. Und dadurch geben alle Mitarbeiter konstant ihr Bestes, weil sie ihn nicht enttäuschen wollen, weil sie ihn so sehr respektieren. Toll, oder? So sollte es überall zugehen.

Wir durften also, wie schon erwähnt, viele Wunden nähen. Sehr viele. So viele, dass es mich nach ein paar Monaten nicht mehr aus den Socken gehauen hat, wenn jemand mit halb offenem Kopf, noch ganz klar und völlig bei Bewusstsein vor mir saß, ich mit meinem Finger die Wunde erkundet habe und mich, während ich seinen knöchernen Schädel nach Frakturen abgesucht habe, gefragt habe, wie man mit einer solchen Verletzung noch am Leben sein kann. Aber für die Patienten war es oft nicht das erste Mal, dass sie zusammengeschlagen wurden und genäht werden mussten. Viele kommen mit frischen und alten Narben an und kennen die ganze Prozedur schon. Ein Problem war es, wenn sie so viele Narben hatten, dass es uns die Arbeit erschwert hat. So z.B. beim Legen von Thoraxdrainagen. Ich erkläre das kurz: wenn durch einen Unfall oder mit Absicht ein Messer oder ein anderer spitzer Gegenstand in den Oberkörper gerät, kann es sein, dass das Lungenfell durchstochen wird. Dadurch ändern sich die Druckverhältnisse in der Lunge und den umliegenden anatomischen Räumen. Die Lunge kollabiert und man kann nicht mehr richtig atmen. Nachweisen kann man das ganz simpel mit einem Röntgenbild, was auch immer sehr flink funktioniert hat. Da es ein akut lebensbedrohlicher Zustand sein kann, muss man schnell handeln. Der Patient wird gelagert, örtlich betäubt, man macht seitlich unter der Axel zwischen den Rippen einen kleinen Schnitt, erweitert diesen, bis man durch das Lungenfell stößt und legt einen Plastikschlauch mit kleinen Löchern, der außerhalb des Körpers mit einem abgeschlossenen System verbunden ist, ein und näht das Ganze an der Haut fest. Fertig. Problematisch wie gesagt, wenn das die fünfte oder sechste Stichverletzung auf der gleichen Seite ist, der Patient schon einige Thoraxdrainagen hatte und es aufgrund von narbigen Verwachsungen kaum möglich ist überhaupt noch eine neue Drainage zu legen. Ich habe am Anfang sehr oft zugesehen und assistiert, bis einer der Ärzte meinte: „Die nächste Drainage machst du.“ Damit hatte ich nicht gerechnet, ich war mir sicher, dass man in Deutschland wirklich Glück haben muss, wenn man so etwas als Student oder auch als Assistenzarzt einmal machen darf (weil es einfach viel seltener überhaupt dazu kommt). Aber für die Ärzte in Khayelitsha war es eine große Erleichterung, wenn wir das auch machen konnten, vor allem, da im Dezember wirklich zeitweise drei Thoraxdrainagen parallel gelegt werden mussten und je selbstständiger wir mitarbeiten konnten, desto besser. Ich weiß noch genau, wie ich für meine erste Thoraxdrainage alles vorbereitet habe und dann auf einen Arzt gewartet habe, der mich beaufsichtigen und verbessern konnte, denn es kann ja immerhin auch viel schief gehen, allerdings konnte keiner, alle waren beschäftigt, es war einfach viel zu viel los. Also meinte der eine, ich wüsste ja wie es geht, er vertraut mir und ich soll schon einmal anfangen, er kommt dann gleich dazu. Als ich schon fertig war kam er dann, war zufrieden mit meiner Drainage und meinte, dass das doch auch ohne ihn super geklappt hätte. Dass ich die letzten 20 Minuten schwitzend und mit einem Puls von 300 verbracht habe, fand er ziemlich lustig. So war das. Man wurde eigentlich die ganze Zeit mit Dingen konfrontiert, denen man sich nicht gewachsen gefühlt hat und musste irgendwie klar kommen. Man wurde sozusagen einfach ins kalte Wasser geschmissen, bei Sturm und ohne Rettungsring und musste überleben. Ich habe noch nie so viel gelernt, wie in diesem halben Jahr. Und das vor allem durch diese praktischen Tätigkeiten. Ja, es war oftmals beängstigend und manchmal weiß man echt nicht, was man tun soll, aber durch diese Panikmomente lernt man unglaublich viel. In Khayelitsha waren außerdem auch oft Kreativität und Improvisation gefragt. Denn irgendetwas hat immer gefehlt, sei es das richtige Blutentnahmeröhrchen, der verantwortliche Chirurg oder ein zusätzliches Bett. Aber irgendwie hat es trotzdem immer funktioniert. Und man hat wieder etwas Neues gelernt. Ich habe festgestellt, dass Notfallmedizin gar keine schlechte Idee ist. Auch Saad war bei meinem Abschiedsgespräch der Meinung, dass ich mich unbedingt in diese Richtung spezialisieren sollte: „Nicht jeder kann in diesem Chaos arbeiten, wahrscheinlich muss man auch einfach selber ein bisschen chaotisch sein, um hier klarzukommen. Du kommst hier auf jeden Fall super klar.“

Ein abwechslungsreicheres Praktikum hätte ich mir auf jeden Fall nicht vorstellen können . Ich habe Röntgenbilder selbst ausgewertet, nachts bei Kaiserschnitten assistiert und Knochenbrüche gerichtet. In dieser Rettungsstelle kommt einfach alles zusammen: Kinder mit Asthmaanfällen, neurologische Patienten, Omis mit Herzinsuffizienz, Opis mit chronischen Lungenerkrankungen, einfach alles. Natürlich standen auch Aufnahmegespräche, Blutentnahmen, Abschlussberichteschreiben usw. auf dem Plan, normale PJler-Arbeiten also. Etwas besonderes hingegen war mein Tag, den ich im Thuthuzela Centre hospitiert habe. Das ist eine Beratungsstelle für Mädchen und Frauen, die vergewaltigt worden sind. Ich glaube, das ist der traurigste Raum im ganzen Krankenhaus. Junge Frauen, alte Frauen, kleine Mädchen, alle mit furchtbaren Geschichten. Viele werden am helligen Tag auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit verschleppt und in abgeschiedene Gassen gebracht und dann einfach dort liegen gelassen. Ich habe den Warteraum vorm Thuthuzela leider nie leer gesehen, irgendjemand war immer da und das ist schon schlimm wenn man bedenkt, dass schätzungsweise weniger als 10% der Vergewaltigten sich überhaupt trauen darüber zu reden und medizinischen Rat zu suchen. Das hat mir der Leiter des Zentrums erzählt. Er meinte, dass viele sich zu sehr schämen oder Angst vor den Konsequenzen haben und es deshalb einfach versuchen zu vergessen. Es kommt allerdings nicht selten vor, dass sie dann viele Monate später doch auftauchen, weil sie merken, dass sie schwanger geworden sind und jetzt nicht wissen, was sie mit dem Kind machen sollen, das sie nicht wollen und sich finfanziell auch nicht leisten können. Abtreibungen sind in Südafrika, soweit ich weiß, zwar unter gewissen Umständen legal, werden aber von der Mehrzahl (wahrscheinlich hauptsächlich von Männern) nicht als akzeptabel angesehen. Deshalb trauen sich nicht viele Frauen diese Option zu wählen. Im Thuthuzela Zentrum werden ihnen und ihren Babys mit Kleidung und Nahrung ausgeholfen. Außerdem arbeitet das Zentrum eng mit der Polizei zusammen, die leider nur sehr selten einen Täter verhaften können… Aber ich denke, jede Hilfe, die die Vergewaltigungsopfer bekommen und jede dokumentierte Anzeige ist wenigstens ein kleiner Durchbruch im Kampf gegen diese Verbrechen.

Natürlich gab es auch viele lustige Momente während meiner Zeit in Khayelitsha, viele Erfolgsmomente, viele schöne Erinnerungen. Die Nachtschichten im Dezember waren wirklich unglaublich anstrengend, ich hatte das Gefühl, dass ich immer drei Tage am Stück schlafen musste, um mich von zwei Nachtschichten zu erholen. Aber ich bin immer wieder sehr gerne hingefahren. Ich habe mich selten mit so vielen Kollegen so gut verstanden, wir haben irgendwann auch einen Großteil unserer Freizeit zusammen verbracht und zu vielen habe ich jetzt noch regelmäßig Kontakt. Die Arbeit in Khayelitsha schweißt einen einfach zusammen, man braucht wahrscheinlich auch echt ein tolles Team und gute Zusammenarbeit, wenn man es dort aushalten will ohne verrückt zu werden. Ein bisschen verrückt(er) bin ich vielleicht schon geworden, aber alles in allem war Khayelitsha die beste Erfahrung, die ich je gemacht habe und ich bereue meine Zeit dort kein bisschen.

 

Wen es interessiert, hier noch ein Link zu einer Reportage, die vor einigen Jahren über die Rettungsstelle von Khayelitsha gedreht wurde. https://vimeo.com/105859280

Nur noch eine kleine Abschlussbemerkung zu den Bildern in diesem Beitrag: einige Fotos werden wahrscheinlich von vielen als zu blutig oder grausam oder eklig wahrgenommen. Zumindest war das die bisherige Reaktion auf diese Bilder. Ich hoffe, diejenigen, die das betrifft, haben einfach nicht ganz so genau hingesehen. Trotzdem fragen sich manche sicherlich, wie es zu diesen Bildern gekommen ist. Erstens macht man doch nicht in der Rettungsstelle von lebensgefährlich verletzten Patienten Fotos mit seinem Handy! Dem stimme ich vollkommen zu! Zweitens darf man das rechtlich überhaupt ohne Einverständnis der Patienten? In Deutschland sicher nicht. Es holt natürlich niemand sein Handy raus, wenn seine Hände gerade sinnvoller gebraucht werden… Trotzdem fand und finde ich das ein sehr heikles Thema. Als ich ein paar mal beobachtet habe, wie Ärzte Fotos von Patienten in der Rettungsstelle gemacht haben, habe ich Saad irgendwann daraufhin angesprochen. Er meinte, dass viele ausländische Studenten und Ärzte ihn deshalb ansprechen, weil es bei uns einfach nicht üblich bzw. nicht erlaubt ist. In Südafrika ist das einfach anders. Saad wollte sogar, dass wir von besonders schwierigen Fällen Fotos machen. Zum einen, weil gerade nachts oft kein Oberarzt da war und wenn man dann telefonisch den Patienten besprechen musste, waren Fotos sehr hilfreich. Zum anderen, weil Saad für Prüfungen Beispielfälle mit Fotos für die Studenten brauchte. Und was ist mit den Rechten des Patienten? Er meinte, dass er noch nie erlebt hat, dass es jemanden gestört hat, auch nicht die Angehörigen. Die meisten sind einfach sehr froh und dankbar, kostenlos professionelle Hilfe zu bekommen. Die Fotos, die ich habe, sind die, die mir zugeschickt wurden, weil wir sie durchgesprochen haben. Da man die Personen weder erkennt, noch einen Namen dazu hat, habe ich beschlossen, sie zu behalten und auch hier zu zeigen.

 

 

Kaapstad/Cape Town/iKapa

Nun wohne ich schon seit über zwei Monaten, zwar nicht direkt in Kapstadt, aber zumindest in der näheren Umgebung. Genauer gesagt in Bellville, wo sich der Campus der medizinischen Fakultät der University of Stellenbosch befindet und auf ihm das gigantische Tygerberg Hospital.

Neben dem Arbeiten im Krankenhaus (dazu gibt es einen extra Eintrag) habe ich hier schon einiges erlebt, denn zum Glück haben wir auch ausreichend Freizeit, wie sich das für Studenten so gehört.

Hier nun ein paar Eindrücke der vergangenen Monate…

Unsere erste Besteigung des Tafelbergs, anstrengend, aber es lohnt sich…

Rugby ist eine ganz große Sache hier in Südafrika, das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Es war übrigens eher wie ein riesiges Karneval-/Partyevent und nicht wie ein reines Rugbyturnier. Fast alle waren verkleidet und haben gefeiert und Spaß gehabt. Stattgefunden hat das ganze im Cape Town Stadium, das für ca. 300 Mio. € für die Fußballweltmeisterschaft 2010 gebaut wurde und seitdem leider kaum genutzt wird.

Ich habe übrigens auch direkt zu Beginn mein Lieblingscafé gefunden. Ein Schokocafé. Fast ausschließlich vegan. Ich liebe es. Und inzwischen bin ich dort schon Stammgast und werde zur Begrüßung umarmt. So muss es sein…

Auch abends haben wir natürlich schon einiges unternommen. Hauptsächlich auf der Long Street, da steppt abends und vor allem am Wochenende der Bär. Besonders toll war es, dass ich Lou und Cane und auch Agnes und Rex, die ich alle auf meiner Reise kennengelernt habe, wiedergetroffen habe.

Mit meinen Mitbewohnern aus der Lodge wird es auch nie langweilig. Wir gehen zusammen wandern, an den Strand oder verbringen lustige Abende bei uns auf dem Campus.

Ganz besonders toll war der Besuch meiner beiden Lieblingsschwestern von Weihnachten bis Mitte Januar. Wir hatten zweieinhalb tolle Wochen, natürlich stand der Tafelberg wieder auf dem Programm, ein leckeres Weihnachtsessen, Wanderungen, Wine Tastings, Strandspaziergänge usw. Auch meine Freundin Stephi war auf der Durchreise zu ihrem PJ in Windhoek für ein paar Tage da. Es war einfach eine grandiose Zeit!!!

Am zweiten Januar gibt es jedes Jahr eine große Parade in Kapstadt, die Second New Year Street Parade, auch Kaapse Klopse genannt. Ich war überrascht, wie gut das ganze organisiert war (Absperrungen, Polizei, Toiletten usw.). Die Zuschauer kampieren teilweise den ganzen Tag hinter den Absperrungen mit Zelten, Campingkochern, Stühlen und Decken. Das Fest wurde erstmals in der Mitte des 19. Jahrhunderts gefeiert, als die Sklaven in Kapstadt einen Tag im Jahr (den 2. Januar) freigekriegt haben und tanzend und singend die Straßen entlanggezogen sind.

Insgesamt kann ich bisher sagen, dass ich mich hier pudelwohl fühle. Kapstadt ist eine beeindruckende Stadt, die sehr viel zu bieten hat. Besonders toll ist, dass man das Meer, die Berge und die große Stadt so dicht beeinander hat. Die umliegende Landschaft ist wahnsinnig schön und die Menschen sind extrem freundlich.

Schockierend ist allerdings, wie sehr das Land noch von der Apartheid gekennzeichnet ist. Als Tourist bekommt man davon kaum etwas mit, aber dadurch, dass wir im Krankenhaus täglich mit der ärmsten Bevölkerungsschicht zu tun haben, erleben wir diese Unterschiede viel extremer. Die Reichen sind fast ausschließlich Weiße und wohnen in den schönsten und eingezäuntesten Gegenden, die Schwarzen in den Townships nur wenige Kilometer weiter in Wellblechhütten. Dadurch entstehen natürlich sehr viele Konflikte. Überfälle und Diebstähle geschehen tagtäglich mitten in der Stadt. Vielen meiner Freunde hier wurden schon Handys und Kreditkarten geklaut. Ich hoffe, dass ich davon weiterhin verschont bleibe… Toi toi toi

Reiserast

Dieser Beitrag ist lange überfällig. Ich habe ihn direkt bei meiner Ankunft auf dem Campus hier Mitte November verfasst, aber dann vergessen ihn fertigzustellen und zu veröffentlichen. Shame on me. Deshalb hier nun ein Einblick in mein vergangenes Selbst…

So, nun, da ich mein vorläufiges Ziel erreicht habe und morgen mein letztes Jahr der medizinischen Ausbildung beginne, ein kleines Fazit zu den letzten 9 Wochen.

Um es kurz zu fassen: Es war die beste Zeit meines Lebens!

Ich habe ca. 7500 km zurückgelegt, war in Kenia, Tansania, Mosambik, Swaziland und Südafrika. Ich habe es nicht eine Sekunde bereut, alleine unterwegs zu sein, im Gegenteil, ich habe es richtig genossen, flexibel und unabhängig zu sein, ich habe fast jede Nacht in einer anderen Unterkunft verbracht, immer so wie ich gerade Lust hatte. Ich habe festgestellt, wie einfach es ist, neue Leute kennenzulernen und kann es immer noch nicht glauben, wie vielen tollen Menschen ich begegnet bin. Gerade wenn man alleine ist, fällt es einem viel leichter, auf fremde Menschen zuzugehen und irgendwann ist mir aufgefallen, dass ich noch nichts alleine unternommen hatte. Kaum zu glauben.

Natürlich erlebt man auch einige verrückte Sachen und muss vieles einfach so akzeptieren, wie es ist, auch wenn es einem unsinnig oder vielleicht einfach nur unbekannt vorkommt. Die ersten Gedanken, die mir dazu kommen, haben mit dem öffentlichen Transportsystem zu tun. Ich habe den größten Teil der Strecke in Bussen zurückgelegt. Das war auch in gewisser Hinsicht recht unkompliziert und vor allem die billigste Art zu reisen. Minibusse gab es bisher in jedem afrikanischen Land in dem ich war und meistens fahren sie, wenn die Zeit gekommen ist, überall  hin. Allerdings muss man auch wirklich aufpassen, oftmals wird dir als ahnungsloser weißer Touri versprochen, dass du natürlich mit diesem Bus genau dorthin kommst, wo du hinwillst und im Nachhinein sitzt du dann irgendwo im Nirgendwo, weil die Leute doch nur dein Geld wollten. Dann wird man rausgeschmissen und dir wird netterweise noch gesagt, wie du wirklich dahinkommst, wo du hinwillst. Gerade in entlegeneren Gegenden, wo es kaum Touristen gibt und man aufgrund seiner weißen Hautfarbe sofort auffällt, wird man schnell verarscht. Es wird natürlich auch immer gewartet, bis der gesamte Bus doppelt voll besetzt ist, damit es sich auch richtig lohnt. So wartet man manchmal ein, zwei Stunden bis es losgeht. Aber irgendwann weiß man das, sieht alles etwas lockerer und kann auch darüber lachen. Ein anderes leicht verwirrendes Thema waren die „Beachboys“, die einem andauernd hinterherlaufen, Sachen verkaufen wollen und einen meist mit ihrem Standardsatz in ein Gespräch verwickeln wollen: „Hey, do you remember me? You promised me yesterday you would buy something.“ Wenn man dann ganz perplex erwidert, dass  man erst vor einer Stunde angekommen sei, kommt sofort ganz vorwurfsvoll: „What? You don’t remember me? But I remember you! You wanted to buy something…“ Jaja, das habe ich wirklich sehr häufig zu hören bekommen… In Tansania war es auch üblich, jedem Menschen für ausnahmslos alles ein Trinkgeld zu geben. Wenn man zum Beispiel nur nach einer Straße gefragt hat und auch eine Erklärung bekommen hat, kam direkt im Anschluss der Satz: „Tip is ok.“, was eher eine Aufforderung ist. Manchmal wird man auch sehr dreist verarscht. Zum Beispiel konnten wir im Hostel in Mosambik unsere Wäsche waschen lassen und bekamen dafür eine Liste mit Preisen für jedes Kleidungsstück. Ich hatte meine Wäsche am Tag vorher abgegeben und die normalen Preise bezahlt. Als Rex, mein Schlafsaalmitbewohner mit seiner Wäsche ankam, strich die Frau auf der Liste einfach die Preise durch und schrieb das Doppelte dahinter. Ja, die Preise wären seit heute Morgen aufs Doppelte angestiegen. Alles klar.

Im Zusammenhang mit all den wundervollen Absonderlichkeiten habe ich übrigens eine Liste mit Dingen gemacht, die ich am meisten von zu Hause vermisse:

  1. deutsches Brot (ich glaube, das Problem kennt jeder, der Deutschland verlässt, auch wenn es nur in ein Nachbarland geht… Dunkles Brot/Körnerbrot ist leider eine Rarität.)
  2.  mein Fahrrad (in Autos und Bussen rumsitzen ist so langweilig, das ist mir vorher nie aufgefallen. In Berlin radle ich jeden Tag überall hin , die Freiheit und Flexibilität ist etwas, was ich hier wirklich zu schätzen lerne.)
  3.  meine Waschmaschine (mit Hand waschen nervt. Und dauert ewig. Und nichts wird richtig sauber.)
  4. Mülltrennung und -abfuhr (es ist vielerorts wirklich so unglaublich dreckig, die Umweltverschmutzung tut mir im Herzen weh. Aus dem offenen Autofenster wird Müll fast immer einfach auf die Straße geworfen. Und Mülleimer gibt es schon gar nicht. Echt schade.)
  5. trinkbares Leitungswasser (in Südafrika überall vorhanden, in Großteilen Afrikas nicht, dort kommen die Keime mit aus dem Hahn. Vorsicht ist geboten, selbst beim Zähneputzen. Wasserkaufen und -schleppen bzw. -abkochen musste ich mir auch erstmal wieder angewöhnen.)
  6. Anonymität (gerade in Gegenden, wo es kaum Weiße gibt, ist man gleich etwas ganz besonderes, wird von jedem angesprochen, teilweise auch angefasst, bekommt viel zu viele Heiratsanträge und wird auch häufig verfolgt. Irgendwann lernt man damit umzugehen und nimmt es mit Humor.)
  7. last but not least, ich kann es kaum glauben, dass sie es wirklich in meine Liste geschafft hat… die BVG! (jetzt wo ich längerfristig dem afrikanischen Vergleich ausgesetzt war erscheint es mir in Berlin überraschend zuverlässig, sauber, geräumig und zielführend… Hätte nie gedacht, dass ich das je sagen würde.)

Das waren jetzt mal ein paar negative Seiten des Alleinreisens in Afrika, die natürlich oft anstrengend sind, aber wenn es so wäre wie zu Hause, wäre es ja viel zu langweilig. Irgendwann lernt man das alles zu akzeptieren und locker und mit viel Humor zu sehen. Vor allem, da die positiven Erfahrungen deutlich überwiegen. Ich war wirklich begeistert, dass fast alle Menschen, die ich getroffen habe, sehr freundlich und hilfsbereit waren, sich wahnsinnig über Besucher gefreut haben und dich sofort nach Hause zur Familie zum Abendessen einladen wollten. So etwas erlebt man in Deutschland wirklich nie.

Gesundheitlich hatte ich zum Glück keine Probleme, obwohl es mancherorts extrem viele Mücken gab und ich kaum Malariaprophylaxe genommen habe. Und auch das Essen habe ich super vertragen ohne jegliche Lebensmittelvergiftungen, obwohl ich wirklich das billigste, authentischste und beste local food von der Straße gegessen habe. Naja, nach drei oder vier Afrikabesuchen ist das Immunsystem wahrscheinlich gegen einiges gewappnet.

Dass ich mich vegan ernähre, hat mich, bis ich in Südafrika angekommen bin, überhaupt nicht eingeschränkt. Im Gegenteil, es gibt überall leckeres Obst und Gemüse, Bohnen, Kartoffeln, Reis, Eintöpfe und vieles mehr. Oft waren die Leute sehr interessiert und positiv überrascht, wenn ich erzählt habe, was vegan sein bedeutet und warum ich mich so ernähre. Südafrika ist dagegen sehr fleischlastig. Sehr sehr sehr fleischlastig. Am bekanntesten ist das südafrikanische Barbeque, Braai, dass nur aus Fleisch besteht. Und das gibt es sehr häufig. Aber viele Leute denken auch ernsthaft, dass Hühnchen Gemüse ist und finden deshalb, dass sie gar nicht viel Fleisch essen. In den Supermärkten gibt es mindestens drei oder vier Fleischregalreihen und mindestens zwei Fleischtheken. Es gibt viel zu viel Fast Food, KFC ist an jeder Straßenecke und das sieht man vielen Leuten auch an…. 🙂

Ich wurde oft gefragt, was denn nun das Highlight meiner Reise war. Ich kann es echt nicht sagen. Ich habe so viele tolle Erfahrungen gemacht, da fällt es schwer zu sagen, was am besten war. Spontan muss ich natürlich den Kilimanjaro erwähnen, Nairobi, Mombasa, Tofo, Tauchen mit Haien und, was mich immer wahnsinnig glücklich macht, das Meer. Einfach nur dazusitzen und aufs Wasser zu schauen oder zum Geräusch der Wellen einzuschlafen oder am Strand spazieren zu gehen und Muscheln zu sammeln, davon kann ich wirklich nie genug kriegen. Glücklicherweise gibt es einiges an Meer in Kapstadt und Umgebung und ich hoffe, dass ich es so oft wie möglich zu sehen bekomme.

Von PE bis CT

In Port Elizabeth angekommen, habe ich im Hostel die beiden Engländer aus Durban, Lou und Cane, wiedergetroffen und da es einen Fehler bei unserer Schlafsaalbuchung gab, haben wir zum gleichen Preis einen „private room“ bekommen und konnten bis spät quatschen ohne andere Leute zu stören… Eine Wonne!

Am nächsten Tag haben wir die Stadt erkundet, da es Sonntag war, war alles außer der Kirche geschlossen. Und es waren auch so gut wie gar keine Menschen unterwegs, irgendwie gruselig. Die ganze Stadt schien wie ausgestorben. Trotzdem lässt es sich hier sicher gut leben, es gibt neben dem großen Hafen wunderschöne Strände und da es auch hier extrem windig ist, kann man viele Surfer beobachten.

 

Ich bin an den folgenden Tagen immer an der Küste entlang Richtung Kapstadt gefahren und habe einfach angehalten, wenn es mir irgendwo gefallen hat. Also fast überall. Manchmal habe ich einfach stundenlang dagesessen und die Wellen beobachtet. Die Strände und die Wellen sind so wunderschön, deshalb habe ich viele Strandspaziergänge unternommen, Muscheln gesammelt und nach Walen Ausschau gehalten, denn oft kann man die von der Küste aus sehen. Ich hatte leider bisher kein Glück…

Insgesamt hat mich diese Strecke etwas an der Highway Number One in Kalifornien erinnert…

In Hout Bay, das etwas außerhalb von Kapstadt liegt, aber offiziell dazu gehört, war der Wind so starkt, dass die Straßen alle komplett voller Sand sind und sogar durch die geschlossenen Türen und Fenster Sand in die Häuser kommt. Den werde ich wohl nie wieder los…

Am nächsten Tag war ich endlich in Kapstadt. Und sofort begeistert. Die Stadt ist riesig, aber man hat Natur in Form vom Meer und Bergen direkt in der unmittelbaren Umgebung. Die Long Street ist eine der größten Straßen, hier steppt wirklich der Bär. Und mittendrin ist das Long Street Backpackers, wo ich eine Nacht geschlafen habe und jede Menge verrückte Leute kennengelernt habe. Da freut man sich gleich auf den nächsten Trip in die Stadt.

Am 18.11. bin ich dann in Stellenbosch angekommen. Hier ist es sehr friedlich, mitten in den Weinbergen und überall gibt es kleine Cafés und Restaurants. Ich habe hier eine Nacht im Hostel verbracht, da ich meine Studentenunterkunft am Tygerberg Hospital erst einen Tag später beziehen durfte.

Am nächsten Tag dort angekommen, habe ich sofort ein paar andere herumirrende Studenten gefunden und mich ihnen angeschlossen. Die Studentenunterkunft befindet sich auf dem Campus des Tygerberg Hospitals, auf halbem Weg zwischen Kapstadt und Stellenbosch. Hier gibt es das riesige Klinikgebäude, die Zahnklinik, die Lehrgebäude, Studentenunterkünfte, zwei Mensen, eine kleines Fitnessstudio und sogar ein Schwimmbecken. Dieses Wochenende kommen ca. 20-30 neue „International Students“ an. Wir haben ziemlich schnell festgestellt, dass 95% davon Deutsche sind. In der Unterkunft hier ist es wie in einem Studentenwohnheim, es gibt die Untereinheiten A-K mit jeweils 6 Zimmern, Doppel- und Einzelzimmern. Ich bin in der G-WG in einem Doppelzimmer mit einer anderen Berlinerin, die ich vorher aber nicht kannte… Außer uns beiden sind noch zwei andere neue in der WG und drei, die schon ein paar Wochen da sind. Wir sind also sechs Deutsche und eine Holländerin. Wir haben uns direkt alle sehr gut verstanden und haben ein schönes Wochenende zusammen verbracht, waren am Strand und einkaufen. Es war echt toll, mal meine ganzen Sachen in einen Schrank packen zu können und nicht mehr aus dem Rucksack leben zu müssen, einen Kühlschrank zu haben, in den man Essen packen kann usw. Luxus pur! Das einzige, was echt nicht so toll ist: Das Gelände ist echt abgesperrt von allem anderen, man kommt hier kaum rein und raus. Und alle erzählen einem auch, dass man bloß nicht zu Fuß das Gelände verlassen soll und schon gar nicht alleine. Die Gegend um das Krankenhaus ist halt nicht die allerbeste und sicherste. Zum Einkaufen und überall sonst hin ist es auch zu weit, man kommt ohne eigenes Auto oder Uber/Taxi nirgendwo hin, deshalb versuchen wir uns jetzt in kleinen Gruppen zusammenzufinden und gemeinsam Autos zu mieten, wie uns die anderen empfohlen haben…

Morgen ist nun der erste Tag des PJs, eher ein Einführungstag, anscheinend ohne richtiges Arbeiten, und ich bin langsam echt aufgeregt!!! Mal sehen, was in den nächsten Wochen und Monaten auf mich zukommt!

Haie, Surfen und Hobbits

Weiter geht’s. Ich habe nur noch weniger als zwei Wochen, bis mein PJ in Stellenbosch beginnt, also muss ich mich langsam etwas sputen, wenn ich unterwegs noch ein paar Sachen unternehmen und sehen will… Erstmal nach Umkomaas, dort kann man anscheinend gut tauchen. Und es gibt viele Haie. Mal sehen…

Umkomaas ist wirklich winzig. Das Zentrum besteht aus einem kleinen Supermarkt, einem Geldautomaten und einer Tankstelle. Dafür gibt es sechs oder sieben Tauchcenter, das klingt ja schonmal vielversprechend. Das Wetter war, wie schon die Tage zuvor, echt beschissen, ich habe trotzdem einen Strandspaziergang gemacht und mir den Ort angesehen. Am nächsten Morgen gings früh los, mit dem Auto zu einer Flussmündung, dann rauf aufs Boot und hinaus aufs stürmische Meer. Den ersten Tauchgang habe ich mir aus finanziellen Gründen gespart und bin stattdessen ums Boot geschnorchelt. Und das hat sich gelohnt! Vom Boot aus hatte ich die eine oder andere Haiflosse gesehen und war ganz scharf darauf, ins Wasser zu gehen. Der Kapitän von dem Boot hatte mich erst nicht lassen wollen ohne einen extra Guide, aber dann meinte er: „Immer die Hände nah am Körper lassen und nicht rumwedeln, sonst beißen sie vielleicht, weil sie deine Hand für einen Fisch halten. Und übrigens: wenn du gebissen wirst, lasse ich dich hier zurück. Ich übernehme für nichts die Verantwortung!“… Ok…. Wird schon. Ich wusste, dass ich es nicht bereuen würde, selbst wenn ich danach ein paar Finger weniger hätte. Nein, Spaß. Es war wirklich unglaublich! Überall um mich herum waren Haie, sie waren alle ca. zwei Meter lang und ich war sofort beeindruckt, wie elegant und schnell sie sich bewegen! Sie sind so neugierig und kommen echt nah an einen heran, plötzlich taucht einer unter dir durch, nur 20 cm entfernt, aber sie tun nichts. Wahrscheinlich fragen sie sich einfach nur „Was ist das denn für ein komisches unbekanntes Schwimmobjekt?“. Es war auf jeden Fall die intensivste und unglaublichste Dreiviertelstunde überhaupt für mich. Dagegen war der Tauchgang danach fast langweilig, obwohl wir noch mehr Haie und riesige Moränen gesehen haben.

Nachmittags ging es direkt weiter zu einem der nächsten winzigen Orte an der Küste, Umzumbe. Dort lässt es sich wohl gut surfen?!! Das „Mantis & Moon“ Backpackers ist wie ein riesiger Dschungel, echt toll (habe leider vergessen, Fotos zu machen…). Als ich abends ins Bad gehen wollte, hat mich einer der Surflehrer angesprochen, das hat zu den merkwürdigsten 30 Minuten überhaupt geführt. Erst hat er mir irgendwelche Yogaposen vorgeturnt, dann hat er mir völlig ohne Zusammenhang auf einmal sein Herz ausgeschüttet und mir viel zu detailliert erzählt, dass sein Ex-Freundin ihm das Herz gebrochen hat und er einfach nicht darüber hinwegkommt. Ich saß da und wusste einfach nicht, was ich sagen sollte!!! So etwas erzählt man doch niemandem, den man nicht kennt… Als ich es irgendwann geschafft habe, diesem Gespräch zu entkommen, dachte ich nur „Hoffentlich ist das nicht mein Surflehrer für den nächsten Tag!“ Leider ist mein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen… Der Typ hat echt einen Schaden, dachte ich, als er mir am nächsten Morgen beim Frühstück ein Stück Papaya auf die Stirn gedrückt hat und meinte, ich werde es brauchen, das würde mich aufs Surfen vorbereiten, meinen Kopf von überflüssigen Gedanken befreien. Ahja… Im strömenden Regen gings los zum Strand, zwei Lehrer und zwei Schüler. Am Strand bekam ich langsam echt Respekt vor der ganzen Aktion. Es war extrem windig, die Wellen gigantisch! Nach ein paar Trockenübungen mussten wir die ersten paar Meter zügig zurücklegen, während die Wellen gerade nicht so hoch waren. Dann sind wir auf den Brettern rausgepaddelt und ich habe bemerkt, dass Surfen viel schwieriger ist, als es aussieht! Ich habe es vielleicht drei oder vier Mal geschafft, aufzustehen und ein paar Sekunden auf dem Brett zu verharren. Viel öfter wurde ich von den gigantischen Wellen ordentlich durch die Gegend gewirbelt, bis ich nicht mehr wusste, wo oben und unten war und dachte, ich würde nie wieder auftauchen. Das war nach zwei Stunden echt langsam erschöpfend und nachdem wir zurückgekommen sind, war ein langer Mittagsschlaf angesagt. Abends habe ich an einer sehr entspannenden Yoga-Stunde (zum Glück ohne meinen verrückten Surflehrer) teilgenommen und den Abend ruhig ausklingen lassen, denn am nächsten Morgen wollte ich früh los.

Und zwar nach Hogsback, ein winziger Ort in wunderschönen grünen Bergen. Angeblich hat die Landschaft in der Gegend J.R.R. Tolkien zu seinen Büchern über Mittelerde inspiriert. Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber vorstellen kann man es sich auf jeden Fall. Vor allem, weil in Hogsback alles nach Tolkiens Geschichten benannt ist und es laut Legenden Feen in den Wäldern gibt. Das Hostel in dem ich geschlafen habe, hieß, passend zu den ganzen Geschichten, „Away with the fairies“. Bekannt ist es vor allem wegen seiner Badewanne direkt am Abhang mit wundervoller Aussicht auf die Umgebung. Ich habe am nächsten Morgen eine kurze Wanderung unternommen, am Kamin passenderweise „Der Herr der Ringe“ gelesen und dann ein Bad genommen. Es war echt unglaublich! Es gibt sogar warmes Wasser, auch wenn es etwas bräunlich ist. Trotzdem war es echt ganz schön kalt und windig und nachmittags saß ich dann warm und wohlbehalten wieder im Auto auf dem Weg nach Port Elisabeth.

Drachen und Durban

Mein nächster Stop: die Drakensberge. Ein landschaftlich wunderschöner ca. 1000 km langer Gebirgszug, super geeignet für kurze und lange Wanderungen. Gewohnt habe ich auf einer kleinen Backpacker Farm, nach dem Großstadtchaos echt angenehm. Das Wetter wurde während der Fahrt immer schlechter, bis es dann abends ein sehr blitzreiches Gewitter gab, das ich mit den anderen Bewohnern der Farm von drinnen vor dem Kaminfeuer sitzend beobachtet habe. Am nächsten Tag bin ich zur „Sleeping Beauty Cave“ gewandert, zusammen mit ein paar Affen und Antilopen. Es war so friedlich und ruhig, in manchen Teilen ist die Natur noch fast unberührt, einfach unglaublich. Kaum war ich zurück, hat es schon wieder gewittert. Wir haben uns trotzdem draußen ein Lagerfeuerchen gegönnt.

Am nächsten Tag ging es nach Durban, der drittgrößten Stadt Südafrikas. Auf dem Weg bin ich durch eine andere landschaftlich wunderschöne Gegend gefahren, das „Valley of thousand hills“, kurz vor Durban.

In der Stadt angekommen, habe ich mich zunächst ein paar Mal verfahren, bis ich mein Hostel gefunden habe. Durban liegt direkt am Meer, ist ziemlich groß, aber bei weitem nicht so chaotisch wie Downtown Joburg. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen habe ich den Strand und den Supermarkt erkundet. Überall Weihnachtsdeko! Dadurch, dass hier Sommer ist, hat mich das am Anfang echt verwirrt. In meinem Schlafsaal waren noch vier andere, zwei Deutsche und zwei Engländer. Wir haben uns alle sofort super verstanden und ein paar Reiseberichte ausgetauscht. Was mich echt vom Hocker gehauen hat: Lou, die Engländerin, wurde in Sansibar in der Hauptstadt genau von dem gleichen Typen verarscht und beklaut, wie ich!!! Sie wollte dort ihren Bus bezahlen und hatte kein passendes Geld, unter dem Vorwand Wechselgeld zu holen ist der Typ abgehauen und nicht zurückgekommen. Daraufhin hat sie sich beschwert, ein anderer ist dem Halunken hinterher, hat ihn zurückgebracht und ihn vor ihren Augen fast zu Tode geprügelt. Das nennt man eine faire Justizmaßnahme in Sansibar. Wie auch immer. Ich hab ihr meine Story erzählt und wir haben sofort einige Parallelen entdeckt. Wäre ja verrückt, wenn es der gleiche war. Also haben wir ihn uns gegenseitig beschrieben und jedes kleinste Detail hat übereingestimmt. Verrückterweise auch, dass sie ihm ebenfalls zweimal begegnet ist! Der hat wohl echt ein Beuteschema.

Am nächsten Morgen waren Lou und ich am Strand laufen und wurden von den Monsterwellen am Pier überrascht, als wir gerade ein paar Surferboys angegafft haben. Den restlichen Tag bin ich mit den beiden Engländern durch die Stadt gezogen, an den Regierungsgebäuden vorbei, bis wir einen riesigen verzweigten Markt gefunden haben. Dort konnte man echt alles kaufen: Obst und Gemüse, Klamotten, Elektrogeräte, Heilkräuter, Flip Flops, jede Menge Vodookram (zB. tote, getrocknete Affen) und vieles mehr. Es war echt krass. Und laut! An diversen Ständen wurde Musik gespielt oder auf kleinen Fernsehern Filme abgespielt, alles nach dem Motto: „Ich bin lauter als mein Nachbar“. Zum Mittagessen gab es „Bunny Chow“, das ist sehr typisch für die Region (und hat nichts mit Kaninchen zu tun). Es ist ein ausgehöhltes Weißbrot, in das etwas Warmes gefüllt wird. Meist etwas mit Fleisch, es gibt aber auch vegetarische Varianten mit scharfen Bohnen oder Gemüse, höchst delikat. Übrigens befindet sich die größte indische Gemeinde (außerhalb von Indien) in Durban! Das merkt man auch sehr schnell an den ganzen tollen Gewürzen, unzähligen indischen Restaurants und natürlich an den ganzen Indern…

Später haben wir in unserer Schlafsaal-Gemeinde einen lustigen Abend  zusammen verbracht, erst auf den Hängematten auf unserem Balkon. Dabei habe ich meine erste neue Englischvokabel an diesem Abend gelernt. Als nämlich Lou und Cane meinten, sie seien „pissed“, dachten wir Deutschen, sie seien sauer, angepisst, und haben uns verwirrt angesehen, weil wir nicht wussten warum. Kurz danach stellte sich heraus, dass „pissed“ auch angetrunken heißt. Alles klar! Kurz darauf haben wir unser Hostel verlassen um ein paar Bars zu erkunden. Auf dem Rückweg im Sammeltaxi hat uns Cane ungefähr 20 Mal gelobt, weil er unser Englisch so toll fand, oder wie er sagte: „Spot on!“ (zweite Vokabel des Tages). Der Taxifahrer hat sich so sehr amüsiert, dass er uns beim Aussteigen mehrmals „Spot on!“ hinterhergerufen hat.

 

Und noch ein ganz anderes Thema zum Abschluss: Sowohl in Johannesburg als auch in Durban ist mir aufgefallen, dass extrem viele weiße Südafrikaner rassistisch gegenüber ihren schwarzen Mitbürgern sind. Ganz oft wird man, sobald man als Tourist entlarvt wurde, prinzipiell vor den ganzen kriminellen Schwarzen gewarnt. „Geh nicht hier hin, geh nicht dort hin, vertrau keinem von denen!“ Schon echt traurig, wie gespalten das Land anscheinend, zumindest teilweise, immer noch ist…

Joburg, du verrücktes Drecksloch

Mein allererster Gedanke, als ich die Grenze nach Südafrika überquert habe: Hier gibt es jede Menge riesengroße Avocados, hier bin ich genau richtig!

Als der Bus nach ca. fünf Stunden Fahrt in Johannesburg ankam, war ich echt aufgeregt. Man hört ja im Vorhinein einiges, dass es so gefährlich ist, dass man extrem vorsichtig sein muss, weil man immer und überall überfallen und ausgeraubt werden kann usw. Mal sehen…

Ankunft Parkstation, Busbahnhof im strömenden Regen, überall Müll, viel zu viele Menschen und es stinkt… Oh Gott, was ist das denn für ein Drecksloch! Wir wurden sofort wieder belagert, alle wollten uns irgendwo hinbringen. Ich war echt froh, nicht alleine zu sein. Der Busfahrer war echt cool, er hat sofort bemerkt, dass wir leicht überfordert waren und uns, nachdem alle anderen ausgestiegen waren, mit dem Reisebus zu einem halbwegs seriösen Taxifahrer gebracht. Auf dem Weg durch die Stadt zu unserem Hostel sind mir zwei Sachen aufgefallen. Erstens: Johannesburg erinnert mich sehr an Manhattan. Die Straßen sind alle in einem Gitternetz angelegt, jede Menge Autos und Menschen und hohe Gebäude, wenn auch nicht so hoch wie in Manhattan. Zweitens: Ampeln sind nur Richtlinien. Man hält zwar an jeder Kreuzung oder fährt zumindest langsamer, aber selbst wenn es rot ist kann gefahren werden. Die Vorfahrt wird mehr durch Hupen geregelt, als durch Ampeln. Mein Adrenalinspiegel stieg von Kreuzung zu Kreuzung an.

Wir sind 20 Minuten später wohlbehalten in Maboneng angekommen. Das ist ein relativ neuer „Hipster-Bezirk“, in dem hauptsächlich Künstler leben und wo es einigermaßen sicher ist. Das CurioCity Hostel ist sehr empfehlenswert, wir haben uns gleich wohl gefühlt. Agnes und ich haben uns noch etwas die Gegend angesehen, abendgegessen und unseren vorerst letzten Abend zusammen genossen.

Am nächsten Tag stand eine morgendliche Joggingrunde mit Seppel, einem gebürtigen Johannesburger mitten durch die Stadt an. Es war echt super und kein bisschen beängstigend 🙂 Uns ist aufgefallen, dass es mitten in der Stadt extrem viele leerstehende Gebäude gibt. Anscheinend war das zu Apartheid-Zeiten anders, doch danach kamen viele, hauptsächlich schwarze, ärmere Leute zurück in die Stadt und als Reaktion darauf sind die wohlhabenden Weißen in die Außenbezirke gezogen (wo die meisten immer noch leben, in der Innenstadt wohnen inzwischen mehr Schwarze, außerhalb mehr Weiße).

Später hat Seppel mich und ein paar andere mit nach Soweto genommen.

Soweto steht für South Western Township, liegt etwas außerhalb des Stadtzentrums, gehört aber zu Johannesburg. Es entstand aus einem Zusammenschluss vieler Townships, in die die Schwarzen während der Apartheid umgesiedelt wurden. Niemand weiß genau, wie viele Menschen in Soweto wohnen, es wird geschätzt, dass es ca. 3,4 Mio. sind. Heute gibt es sehr schöne Wohngegenden hier, viele Menschen ziehen nach Soweto, weil die Mieten günstig sind, und pendeln nach Johannesburg zur Arbeit. Allerdings gibt es auch noch sehr viele Slum-ähnliche Bereiche und viel Armut. Im Kampf gegen die Apartheid war Soweto in den 70er Jahren weltweit in den Nachrichten, als bei Schülerprotesten über 500 Menschen starben. Heutzutage kommen immer mehr Touristen nach Soweto, unter anderem um den ehemaligen Wohnort von Nelson Mandela zu besuchen oder zum Bungee Jumping. Und zwar zwischen den Kühltürmen eines stillgelegten Kohlekraftwerks. Echt verrückt. Sehr stolz sind die Menschen aus Soweto außerdem auf ihre Fußballclubs, die zu den besten in Südafrika gehören. Die Orlando Pirates und der rivalisierende Club Kaizer Chiefs, in deren Stadion 2010 das Finale der Weltmeisterschaft ausgetragen wurde (größtes Fußballstadion Afrikas mit ca. 95.000 Zuschauerplätzen).

 

Am nächsten Tag habe ich Joburg auf eigene Faust erkundet. In dem Hostel kann man sich Fahrräder leihen und da ich das Fahrradfahren echt vermisse, seit ich aus Berlin weg bin, habe ich diese Gelegenheit gleich genutzt. Als der Typ aus dem Hostel mir ein ziemlich teuer aussehendes Rennrad hinstellte, war ich etwas verunsichert. Ich hatte extra alle Wertsachen sicher im Hostel verstaut, mir meine schlabberigsten Schlabberklamotten angezogen, damit keiner auf die Idee kommen würde, mich auszurauben… Und dann dieses Fahrrad. Aber mir wurde versichert, dass ich kein Problem haben würde, ich habe ein Schloss bekommen (das man mit einer Bastelschere hätte durchschneiden können…) und bin losgefahren. Es hat echt super viel Spaß gemacht! Man muss zwar extrem vorsichtig fahren und die ganze Zeit aufpassen, nicht überfahren zu werden aber wenn man die ersten 10 Minuten überlebt hat, kommt man klar. Als erstes besuchte ich das Carlton Center, das höchste Gebäude Südafrikas. Man kann für umgerechnet 1€ in den 50. Stock fahren, zum „Top of Africa“ in 223 Meter Höhe. Das Gebäude ist schon etwas heruntergekommen, aber der Ausblick lohnt sich. Ich bin dann weiter durch das viel edler aussehende Bankenviertel gefahren, zur Nelson-Mandela-Brücke (hier ist einfach alles nach Nelson Mandela benannt, wirklich alles!) und zur Universität. Ich wurde echt oft angequatscht, zum einen, weil wirklich kein Schwein in der Stadt mit Fahrrad fährt und man deshalb gleich auffällt. Zum anderen wegen des Fahrrads, ich hatte wirklich viel mehr Angst um das Fahrrad, als um mich. Ich habe mich auch ein paar Mal unwissentlich in Gegenden begeben, die man eigentlich meiden sollte, doch jedes Mal, wenn ich mich unsicher gefühlt habe, bin ich einfach schnell weitergefahren, da war das Fahrrad echt ein Segen und ein Fluch zugleich. Tatsächlich bin ich dann, als ich schon fast wieder zurück war, in eine suspekte Situation geraten. In den großen Städten hier ist fast jede Straße eine Einbahnstraße und deshalb musste ich das Fahrrad ein Stück auf dem Gehweg schieben. Aus den Augenwinkeln ist mir dann aufgefallen, dass drei Typen flüsternd hinter mir hergelaufen sind. Ich dachte erst, ich bin paranoid, weil man unterschwellig die ganze Zeit erwartet, dass irgendwas passiert. Deshalb bin ich abgebogen und habe mich zu einer Gruppe von seriös aussehenden Leuten gestellt, um zu sehen, was passiert. Die Typen haben mich beobachtet, sind langsam an mir vorbeigelaufen und dann ein paar Meter weiter stehen geblieben, haben weitergeflüstert und eindeutig das Fahrrad angestarrt. Ok, die verfolgen mich wirklich und sind hinter dem Fahrrad her. Also bin ich sehr flink aufs Rad gesprungen und, einen riesigen Umweg den Einwegstraßen folgend, zurückgedüst. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Abends habe ich dann so viele Horrorstorys von Überfällen gehört, dass es mir im Nachhinein ein bisschen lebensmüde vorkam, alleine mitten durch diese riesige Stadt mit einem Fahrrad zu fahren. Am gleichen Tag haben zwei Zimmergenossen von mir aus einem Taxi heraus auf dem Gehweg direkt neben ihnen beobachtet, wie ein Tourist von zwei Männern mitten am Tag umgeben von Leuten festgehalten und ausgeraubt wurde. Niemand hat ihm geholfen, alle haben es gesehen und sind einfach weitergegangen. Zum einen sind die Leute es vielleicht einfach gewohnt, dass so etwas passiert. Zum anderen kann ich es auch verstehen, dass man nicht eingreifen will, weil man nie weiß, ob der Übeltäter ein Messer oder eine Pistole dabei hat. Einer anderen Frau wurde beim Geld abheben die Visakarte und das Geld geklaut. Und auch von Vergewaltigungen wurde mir berichtet. Ich muss allerdings sagen, dass ich die Stadt nicht als gefährlicher wahrgenommen, als andere Großstädte. Die meisten waren sehr nett und hilfsbereit und aufpassen muss man überall. Deshalb war ich froh, dass mir diese Storys erst nach meiner Erkundungstour erzählt wurden, sonst hätte ich das nämlich vielleicht nicht gemacht.

Laut Statistik gehört Joburg noch nicht einmal zu den zehn gefährlichsten Städten der Welt, diese sind fast alle in Süd- und Mittelamerika, außer Kapstadt, das liegt momentan auf Platz 9. 2015 wurden in Kapstadt 2451 Menschen getötet. Oha! Soweit ich weiß, ist daher die Mordrate in Kapstadt höher, in Johannesburg allerdings die Anzahl der Überfälle und Diebstähle.

Am nächsten Morgen hat mich eine Amerikanerin, die neben dem Hostel wohnt, mit zum Bahnhof genommen und mir unterwegs noch ein paar Geschichten über die Hijack-Buildings in Johannesburg erzählt. Das sind die Gebäude, die eigentlich leer stehen, in die aber inzwischen Leute „eingezogen“ sind. Das sind fast ausschließlich Arbeitslose, Drogenabhängige usw. Sie wohnen dort ohne Elektrizität oder Wasser in furchtbaren Zuständen. Ich habe mir anschließend ein paar Videos im Internet angesehen, falls es jemanden interessiert:

https://www.youtube.com/watch?v=OSOvCNeDmtY,

https://www.youtube.com/watch?v=0hB-aNCrC68

Am Bahnhof habe ich mir ein Auto gemietet, das ist in Südafrika echt günstig und war für mich für meine restliche Reise günstiger, als wenn ich mit Bussen gereist wäre. Außerdem ist man einfach viel flexibler, wenn man in entlegene Gegenden will. Und an den Linksverkehr habe ich mich in den vergangenen Monaten zum Glück schon gewöhnt. Ich hatte tatsächlich gar kein Problem damit, auch nicht mitten in der Stadt. Also konnte es weitergehen!

Afrikanische Schweiz

An der Grenze von Mosambik nach Swaziland merkte ich mal wieder, wie klein die Welt ist. Kaum war ich aus dem Bus ausgestiegen, traf ich auf Agnes, meinen Dorm-Roomie aus Tofo, die zwei Tage vor mir abgereist war. Wir wussten zwar, dass wir beide Richtung Swaziland wollten, aber nicht an welchem Tag. Und dann sind unsere Busse auch noch genau zur gleichen Zeit an der Passkontrolle! Und wir waren nicht nur auf dem Weg in die gleiche Stadt, sondern auch noch in die gleiche Unterkunft. Die Welt ist verrückt! Also haben wir uns im Backpackers wiedergesehen und schwups, waren wir wieder Roomies. Zusammen mit viel zu vielen Mücken und Ameisen.

Mit einem anderen Mädel aus dem Hostel haben wir am nächsten Vormittag eine Wanderung unternommen. Direkt hinter dem Backpackers befindet sich „Sheba’s Breast“, ein zweigipfliger Berg. Deshalb Breast. Brüste… Höhö. Wir haben beide Brüste erklommen, unterwegs einige Affen gesehen und die schöne Aussicht genossen. Am nächsten Tag wollten wir in einen Kletterwald. Wir haben nach ca. zwei Stunden Fahrt gemerkt, dass wir viel zu weit gefahren waren. Also mussten wir fast die ganze Strecke wieder zurück und waren dann genau in der Mittagshitze da. Es hat aber trotzdem unglaublich viel Spaß gemacht und die Landschaft ist echt wunderschön! Wir haben es dann tatsächlich geschafft, auf dem Rückweg noch einmal in den falschen Bus zu steigen und uns zu verfahren. War wohl irgendwie nicht unser Tag was die öffentlichen Verkehrsmittel betrifft.

Swaziland ist heute das einzige afrikanische Land, in dem die Staatsform eine absolute Monarchie ist. Es ist echt klein, vor allem im Vergleich zu den Nachbarländern Mosambik und Südafrika, hat 1,4 Mio. Einwohner. Ich fand die Landschaft echt beeindruckend und vor allem sehr anders als in den Ländern, wo ich vorher war. Es hat mich manchmal ein bisschen an die Schweiz erinnert, grüne Hügel und Berge überall. Die Hauptstadt, Mbabane, ist ein geordnetes Chaos, auch hier gibt es als Hauptverkehrsmittel noch überall die Minibusse, die sich mehr oder weniger an die Verkehrsregeln halten und einen mehr oder weniger häufig fast über den Haufen fahren. Direkt daneben gibt es allerdings supermoderne Einkaufszentren und Bankgebäude. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass Swaziland mit durchschnittlich nur 32 Jahren die niedrigste Lebenserwartung weltweit hat. Und die höchste AIDS-Rate, ca. 40%. Krass.

Am 01.11. sind Agnes und ich zu neuen Ufern aufgebrochen. Wir haben in Mbabane einen Bus nach Johannesburg bekommen und nach ca. 30 min waren wir an der Grenze. Ich muss sagen, dass ich langsam echt aufgeregt war, vor allem als ich dann das „Welcome to South Africa“-Schild gesehen habe… Meine neue Heimat!!! Wuhuuuu!!!

Da ich jetzt wieder die etwas westlichere Welt betrete, hier ein kleines Resümee meiner bisherigen Reise: es war einfach nur fantastisch! Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, so viel Spaß gehabt und so viele spannende Sachen erlebt… Ich hatte im Vorhinein natürlich schon meine Bedenken, ob es das richtige ist, alleine durch Afrika zu reisen, doch jetzt weiß ich, dass es die beste Entscheidung überhaupt war, dass ich es kein bisschen bereue und dass viele andere auch alleine verrückte Trips unternehmen. Man lernt so leicht Menschen kennen, man ist total unabhängig und flexibel und man kriegt immer überall einen Schlafplatz. Ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit gehabt, um an einigen Orten noch länger zu verweilen. Mir viel es sehr oft ziemlich schwer mich von bestimmten  Leuten oder Städten zu verabschieden und weiterzureisen, das hätte ich nie gedacht… Ich habe wirklich jeden Moment genossen.

Ich kann mich kaum daran erinnern, wann ich das letzte Mal einen Tag lang keine Banane gegessen habe, wann ich das letzte Mal ohne Mückennetz geschlafen oder aus dem Wasserhahn getrunken habe. Wann ich das letzte Mal etwas gekauft habe, ohne über den Preis zu verhandeln. Oder wann ich das letzte Mal den ganzen Tag lang Schuhe anhatte und mit sauberen Füßen ins Bett gegangen bin. Oder wann ich das letzte Mal alleine in einem Raum geschlafen habe ohne fremde Menschen um mich herum.

Ich werde das alles echt vermissen.

Tofo

Ich hatte mich entschlossen, von Dar es Salaam nach Mosambik zu fliegen, da ich die Größe des Landes unter- und die Qualität der Infrastruktur überschätzt habe und nach Tofo mindestens sechs Tage mit diversen Bussen gebraucht hätte. Also ging es vom Flughafen von Dar es Salaam nach Maputo mit LAM („Linhas Aéreas de Mocambique“, oder wie es öfter genannt wird: „Late and Maybe“). Wir hatten dann auch tatsächlich zwei Stunden Verspätung, allerdings weil der ganze Flughafen lahmgelegt wurde. Der marokkanische König war gerade für einen Staatsbesuch angekommen. Da müssen halt alle anderen mal warten. War sogar in den tansanianischen Nachrichten, sonst hätte ich erst gar nicht mitbekommen, was da los war.

In Pemba hatten wir einen Zwischenstopp, Gepäck raus, alles öffnen, erklären, Einreiseprozeduren und so weiter und so fort und dann endlich weiter Richtung Maputo, der Hauptstadt von Mosambik. Ich war etwas aufgeregt, weil ich mit extremer Verspätung ankam, mitten in der Nacht, kein mosambikanisches Geld hatte, nicht wusste, wo ich hinmusste, aber kaum war ich aus dem Gate heraus, wurde ich direkt angesprochen „Are you Annabel?“. Ok, wer ist das, woher weiß er meinen Namen und wie ich aussehe…? Das war der Fahrer von meinem Hostel, der hatte geprüft, dass mein Flug Verspätung hatte und dachte, er holt mich mal lieber ab. Das war echt super!

Da ich nicht in Maputo bleiben wollte (da gibt’s nicht so viel zu sehen), habe ich nach drei Stunden Schlaf direkt einen Bus nach Tofo genommen, wo ich nach einer weiteren sehr afrikanischen Busfahrt am späten Nachmittag im „Fatima’s“ ankam. Es war zwar extrem windig, aber ich musste die super Lage am Strand einfach direkt nutzen und bin ein bisschen in den Wellen herumgehüpft.

Tofo ist ein friedlicher kleiner Ort, der vor allem für seine vielen Tauchmöglichkeiten bekannt ist und für die angeblich sehr vielen Walhaie und Mantarochen. Das ist auch der Grund, warum ich dorthin wollte. Walhaie sind die größten Fische, die es gibt, sie können hundert Jahre alt werden, sind vollkommen harmlos für Menschen und ernähren sich hauptsächlich von Plankton.

Also um die nächsten vier Tage kurz zusammenzufassen: ich war jeden Tag tauchen. Und zwar mit Tofo Scuba, direkt am Strand, mit kleinem Restaurant, sehr gutem Equipment und tollem Personal. Ich habe direkt zwei von meinen Dormmates aus dem Hostel getroffen, die dort auch die ganze Zeit abgehangen haben und wir hatten ein paar tolle Tage zusammen. Es gibt einige schöne „divesites“ und ich habe einige tolle Sachen gesehen. In die Speedboote von Tofo Scuba passen ca. zehn Leute. Die Boote liegen direkt vor dem Tauchcenter am Strand und werden mithilfe eines kleinen Traktors ins Wasser geschoben bzw. wieder an Land gezogen, da die Wellen echt stark sind. Die Passagiere schieben das Boot auf beiden Seiten das letzte Stück bis der Motor gestartet werden kann. Das war echt jedes Mal ein Abenteuer. Man schiebt und schiebt und irgendwann schreit jemand „Ladies up!“, die Frauen dürfen zuerst reinklettern, und dann „Everybody up!“ und los geht’s. Man muss seine Füße einhaken und sich ordentlich mit beiden Händen festhalten, denn die Spritztouren auf den Booten waren teilweise echt ein bisschen lebensmüde auch aufgrund der starken Wellen… Gleichzeitig versucht man, seinen Mageninhalt für sich zu behalten. Es war schon echt abenteuerlich. Am Riff angekommen macht man einen letzten Check, dann „Masks on, regulators in! Three, two, one, go!“ und dann lässt man sich rückwärts ins Wasser plumpsen, versucht die anderen nicht zu verlieren und so schnell wie möglich nach unten zu kommen.

Meine Favoriten am ersten Tag war wohl eine Schildkröte, ein Oktopus (es war einfach unglaublich zu sehen, wie schnell diese Tiere ihre Farbe wechseln können, von einer Sekunde auf die andere, und sich komplett ihrer Umgebung anpassen… toll!!!) und naked Corine. Das muss ich wohl kurz erklären. Corine ist eine Holländerin, die ich dort kennengelernt habe und sie hatte zufällig an diesem Tag ihren 100. Tauchgang. Anscheinend gibt es diese inoffizielle Regel, dass man beim hundertsten Tauchgang blank ziehen muss. Hatte ich noch nie vorher gehört, aber den anderen war das allen bekannt. Sie hat das auch echt tapfer durchgezogen, nur im Bikini ohne Neoprenanzug (und es ist schon relativ kalt da unten), unten Bikini ausgezogen, Fotos gemacht, Bikini wieder an und dann noch 60 Minuten weitergetaucht. Respekt. Abends haben wir den „naked dive“ mit einigen Bieren und sehr leckerem Essen gefeiert.

Am zweiten Tag bin ich mit meinem Roomie Agnes (aus Ungarn) morgens am Strand entlang gejoggt und habe dann eine kleine Bootstour mit Schnorcheleinheit gemacht. Wir hatten zwischendurch irgendwann drei Delphine, die mit uns durchs Wasser geflitzt sind und leider echt viele Quallen, sogenannte „blue bottles“. Die sind sehr klein und deshalb schwer zu sehen und haben lange dünne blaue Tentakeln. Wir haben alle ein schönes Tentakelbad genommen und sind dann mit kribbelnder, brennender und teilweise extrem schmerzhafter Haut schnell wieder zurück ins Boot geflüchtet, wo wir unsere großflächigen Ausschläge begutachtet haben. Nachmittags war ich wieder tauchen, habe wieder eine Schildi gesehen und mich gefreut. Abends waren wir in einem anderen Hostel zum Filmabend („Mike and Dave need wedding dates“… muss man nicht gesehen haben).

Außer im Tauchcenter habe ich mir natürlich auch noch den Rest von Tofo angesehen. Auf dem kleinen Markt kann man schöne Stoffe und Klamotten erwerben, außerdem Obst, Gemüse und Brot. Das Brot in Mosambik ist vergleichsweise echt gut, es ist zwar nicht dunkel, aber es besteht mehr aus Brot als aus Luft. Und mein Favorit: Kokosmilchbrötchen! Sehen aus wie Milchbrötchen, sind aber vegan, da sie mit Kokosmilch gemacht werden! Höchst delikat. Ansonsten gibt es in Tofo viele kleine Restaurants, sehr typisches veganes mosambikanisches Essen ist Matapa (eine Art Spinat, wird meist mit Reis gegessen, sehr empfehlenswert!) und irgendwie essen alle dort die ganze Zeit Lollipops. Wir haben auch nach jeden Tauchgang einen zur Belohnung gekriegt. Das war toll!

Mosambik ist sehr anders als Kenia, Uganda oder Tansania. Man merkt, dass dieses Land stark durch  die portugiesische Kultur geprägt ist. Oft kommt man mit Englisch nicht weit. Neben portugiesisch werden ca. 40 andere Sprachen gesprochen, die ich natürlich auch nicht verstanden habe. Nur meine kläglichen Spanischkenntnisse haben mir ein bisschen geholfen. Außerdem ist die Infrastruktur echt schlecht, Internet hat man selbst in touristischen Gegenden selten, Strom und Wasser sind auch eine Glückssache und die Straßen außerhalb der Hauptverbindungen zwischen den größeren Städten sind, naja, keine Straßen. Generell ist das Land eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt und man merkt, dass das Ende des Bürgerkriegs (1992) noch nicht so lange her ist. Es gibt noch viele verlassene Gegenden und Gebäude, doch es wird an vielen Stellen gebaut und modernisiert. Wenn man sich die Seite vom Auswärtigen Amt durchliest, könnte man denken, man muss die ganze Zeit um sein Leben bangen und kann sich nirgendwo frei bewegen. Das kann ich überhaupt nicht bestätigen, allerdings war ich auch hauptsächlich in Tofo unterwegs. Und da ist wirklich außer Strand, Party und Tauchen nichts los.

Ich wollte eigentlich am Freitagmorgen zurück nach Maputo fahren, aber wie alle anderen habe ich meinen Aufenthalt dann doch verlängert. Es ist einfach zu schön in Tofo. Und mir wurde gesagt, dass ich die wöchentliche Party am Freitagabend auf keinen Fall verpassen darf…. Überzeugt. Also bin ich morgens mit meinem anderen Roomie Rex und Corine früh aufgestanden und auf gings zum ersten Tauchgang. 7 Uhr, starke Strömung, ich hatte etwas Schiss. Aber ich habs nach unten geschafft ohne die anderen zu verlieren. Die Sicht war an diesem Tag echt fantastisch, ca. 30 Meter. UND: ich habe meinen ersten Hai gesehen! Einen zwei bis drei Meter langen Weißspitzen-Hochseehai. TOLL! Nur die Walhaie und Mantarochen lassen sich einfach nicht blicken. Ich hatte morgens extra meinen Walhaitanz aufgeführt, in der Hoffnung an meinem letzten Tag endlich einen zu sehen. Leider hat sich hier aufgrund der Überfischung und der Eingriffe in das Ökosystem einiges verändert und heute sieht man diese faszinierenden Tiere leider nicht mehr so häufig wie vor zehn Jahren.

Auch beim zweiten Tauchgang war die Strömung sehr stark. Wir haben die meiste Zeit unten damit verbracht uns nicht zu verlieren und abgetrieben zu werden. Es war trotzdem toll. Wieder oben im Boot habe ich gerade begonnen, meine letzte verrückte Rückfahrt zu genießen, als es auf einmal hieß: „Whaleshark! Get your fins and masks back on!“ Und da war er. 7-8 Meter lang, durch meinen Walhaitanz angelockt, extra an meinem letzten Tag. Es war einfach unglaublich. Ich habe ein paar Stunden gebraucht, um dieses tolle Erlebnis zu realisieren. In der Zwischenzeit haben wir es uns mit Mittagsessen am Strand bequem gemacht und mit ein, zwei Bierchen auf den Walhai angestoßen. Abends fand dann die fulminante Party statt, es war wirklich fulminant. Ganz Tofo auf einer Party. Und was mal wieder echt genial war: ich habe an dem Abend ein Pärchen wiedergetroffen, mit denen ich in meinem ersten Hostel in Nairobi an meinem ersten Abend zusammengesessen habe!!! So verrückt. Leider musste ich mich um 4 Uhr verabschieden, da ich eine Gruppe gefunden habe, die mit ihrem Bus direkt nach Swaziland gefahren ist, ohne Zwischenstopp in Maputo, was mir sehr gut passte. Also saß ich zwischen 14 anderen Schnapsleichen für die nächsten 13 Stunden mal wieder in einem Bus. Wunderbar!