Dahab I

Die ersten drei Wochen in Dahab sind vergangen wie im Flug. Irgendwie vergeht Zeit ja immer viel zu schnell, aber besonders, wenn man es gerade nicht will, weil das Leben am Meer einfach zu schön ist.

Am Tag meiner Ankunft hier, ging ich als erstes in die Tauchschule, wo ich Christina kennenlernte. Christina ist die Assistentin von Nina, die das Projekt (RSEC = Red Sea Environmental Centre) hier leitet. RSEC kooperiert mit Reef Check, das ist eine internationale Organisation, ansässig in Kalifornien, die weltweit Daten von verschiedenen Projekten zu Korallenriffen sammelt, auswertet und über die Jahre vergleicht.

Christina ist auch Deutsche, war letztes Jahr hier als Praktikantin und ist zurückgekommen, seit Januar ist sie schon hier. Sie beschrieb mir den Weg zum Haus, wo alle Praktikanten wohnen. Es ist wirklich nur zwei Minuten geradeaus zu Laufen und eigentlich nicht zu verfehlen, aber irgendwie habe ich es trotzdem geschafft, zweimal verloren zu gehen und mit meinem ganzen Gepäck in der Hitze eine halbe Stunde herumzuirren, bis Christina mich eingesammelt und hingebracht hat. Ich schiebe es auf die 45 Grad, die lange Busfahrt von Kairo und den Schlafmangel. Aber so richtig verstehe ich heute immer noch nicht, wie ich es geschafft habe, mich so blöd anzustellen. Das Haus hat zwei Stockwerke, unten wohnen die beiden Jungs und Christina, oben mit mir noch fünf weitere Mädels, zwei weitere Deutsche, eine Slowakin, eine Italienerin, eine Kanadierin, die beiden Jungs sind aus Spanien und Belgien. 5 von ihnen studieren einen internationalen meeresbiologischen Masterstudiengang und sind schon seit April da, insgesamt zwei Monate.

Nach meiner Ankunft habe ich vergeblich versucht mich etwas auszuruhen, aber wenn einem nach der Dusche im Liegen nur so der Schweiß rinnt, mach Ausruhen keinen Spaß. Und Christina hatte mir angeboten, direkt meinen ersten Tauchgang zu absolvieren, was eine sehr willkommene Abkühlung bedeutet… Wir gingen direkt gegenüber vom Tauchzentrum ins Wasser und machten zunächst ein paar grundlegende Übungen, weil mein letzter Tauchgang schon so lange her war. Keine Probleme und das Wasser ist so schön klar und kühl. Eine Wonne. Nach dem Tauchgang lernte ich auch Torsten, den Manager der Tauchschule kennen, auch Deutscher, er wohnt schon seit 12 Jahren hier. Über der Tauchschule gibt es einen Außenbereich und drei kleine Räume, die zu RSEC gehören. Außerdem wohnen hier zwei süße Katzen. Nessie, sie ist eine kleine Diva, aber trotzdem sehr kuschelig, und Ginger. Alle nennen sie nur „Ginger bitch“, weil sie sehr garstig sein kann (und außerdem sehr fragwürde Schnarchgeräusche von sich gibt, auch wenn sie gerade nicht schläft). Zu mir ist sie immer total verschmust und lieb. Die anderen sagen, sie mag mich nur, weil wir die gleiche Haar-/Fellfarbe haben.

 

 

Am nächsten Tag hörten wir einen einführenden Vortrag von Nina und Christina über die verschiedenen Korallenarten, die wir zu unterscheiden lernen sollten. Wir übten dann ca. eine Woche lang unter Wasser, hatten auch Tests und lernten zudem die verschiedenen Krankheiten der Korallen und Beschädigungen durch z.B. Fische und Schnecken zu unterscheiden. Mir war vorher ehrlich gesagt überhaupt nicht bewusst gewesen, wie viele unterschiedliche Korallen es gibt und auch nicht die vielen unterschiedlichen Auslöser für Krankheiten/Beschädigungen/Tod der Korallen. Mit der Korallenbleiche ist es hier nicht so schlimm, wie z.B. im Great Barrier Reef. Dafür verursachen Menschen viele Schäden, viele trampeln in Ufernähe ohne zu gucken auf den Korallen herum, viel Müll landet im Wasser, viel Abwasser, Angelschnüre, die sich dann an den Korallen verfangen usw. Ab und zu gibt es auch Plagen: Algenplagen, die das Ökosystem ins Ungleichgewicht bringen oder vor ein paar Jahren gab es auch vielerorts Dornenkronen-Seestern-Plagen. Diese großen, gestachelten Seesterne setzen sich auf die Korallen, vor allem auf die Art Acropora, und „saugen sie aus“, bis die Koralle tot ist. Einen solchen Seestern habe ich hier gesehen, aber eine Plage gibt es aktuell zum Glück nicht.

Apropos Acropora, beim Tauchen verständigt man sich mit Handzeichen und wenn wir uns die Korallen ansehen, gibt es für jede Spezies ein bestimmtes Handzeichen. Das für Acropora ist wie das Peace-Zeichen. Irgendwie wurde es zu unserem Dauergag unter angehenden Biologen, wenn jemand (über Wasser) Peace zeigte, laut Acropora zu rufen. Das fanden auch nur wir witzig.

In unserer Gruppe sind wir immer gut miteinander klargekommen. Außer, wenn es ums Putzen ging. Genau deshalb wohne ich gerne alleine. Die Mädelswohnung war von Anfang an etwas chaotisch, aber wenn sich dann bei der Hitze der Müll sammelt und nicht abgespült wird, entsteht so nach und nach die eine oder andere Ameisenstraße und Kakerlaken erfreuen sich der Essensreste. Als ich das erste Mal unten in der Wohnung der Jungs war, bekam ich fast einen Schock. So ordentlich und sauber! Es wirkte fast steril und unwirklich. Aber gut, wir sind auch doppelt so viele Bewohner oben (mit zehnmal so viel Unordnung…). Abgesehen davon und trotz dessen wohne ich aber gerne hier, es ist nah am Tauchzentrum und unten gibt es auch eine kleine Terrasse, wo wir abends oft zusammen sitzen. Ich komme generell mit fast jedem Menschen gut klar, aber es ist doch noch einmal etwas anderes, wenn man von Leuten umgeben ist, die das gleiche Ziel vor Augen haben und gleiche Prioritäten setzen. Es ist einfach angenehm, wenn man sich nicht erklären muss, warum man sich vegan ernährt, weil alle im Haus Vegetarier oder Veganer sind. Oder warum man noch einmal angefangen hat zu studieren nur um vielleicht einen winzigen Beitrag zum Erhalt der Ozeane zu leisten. Es ist angenehm, wenn alle sich ohne vorherige Absprache einig sind, dass nur einkaufen gegangen wird, wenn es ohne Plastiktüten geht, dass kein Essen weggeschmissen wird, dass alles, was sich trotzdem an Plastik ansammelt, soweit es geht wiederverwendet wird und man seine Trinkflasche jeden Tag am Wassertank auffüllt. Es sind eigentlich nur Kleinigkeiten, aber ich weiß es sehr zu schätzen.

 

 

Aber selbst wenn man so wenig Müll wie möglich produziert, man produziert trotzdem Müll. Und mit der Müllabfuhr in Dahab klappt es nicht so wirklich. An den Containern sieht es immer aus wie ein Schlachtfeld, weil sich streunende Katzen und Hunde über den Müll hermachen bis alles weit verstreut ist. Aber viel schlimmer ist, dass das Bewusstsein bei den Menschen fehlt. Sie haben einen wunderschönes Meer direkt vor der Tür und trotzdem landet leider sehr viel Müll im Wasser. Bei jedem Tauchgang oder beim Schnorcheln bringen wir so viel wieder mit raus, wie möglich. Vieles davon weht von den Straßen ins Meer. Auf den Straßen landet es, weil es kaum Mülleimer gibt und viele Menschen zu faul sind, es bis zum nächsten mit sich zu tragen. Die Straßen abseits von der Promenade (wo jeden Tag gefegt und aufgeräumt wird) sehen katastrophal aus. Und Nina erzählt uns einige Gruselgeschichten, dass auch Korruption für Umweltverschmutzung sorgt. Beim Verlegen neuer Abwasserleitungen wurde wohl das von der Regierung zur Verfügung gestellte Geld teilweise einbehalten, dafür wurden weniger und qualitativ schlechtere Rohre verlegt und ein Großteil direkt ins Meer geleitet.

Die größte Herausforderung für uns alle ist die Hitze. Es ist immer heiß, man schwitzt immer und sobald mal ein angenehmer Wind weht oder man eine Klimaanlage zur Verfügung hat, erkältet man sich. Das ist besonders blöd fürs Tauchen. Deshalb haben wir versucht im Haus auf die Klimaanlage zu verzichten. Stattdessen laufen alle halbnackt durch die Gegend und zum Schlafen haben wir es uns angewohnt ohne Klamotten oder Decke, aber dafür mit einem nassen T-Shirt oder Handtuch auf dem Oberkörper zu schlafen. Selbst dann wacht man meistens zwischen 5 und 6 wieder schweißgebadet auf.

Wir waren fast jeden Tag tauchen, meistens für die Korallengutachten, manchmal aber auch einfach aus Spaß. Es gibt extrem viele schöne Tauchspots in der Umgebung. 2-3 sind hier direkt im Stadtzentrum, welches vor allem aus einer Promenade besteht, die am Wasser entlangführt. Auf der zum Wasser zugewandten Seite befindet sich ein Restaurant neben dem anderen, die Eingänge zur Promenade und sehr schöne Sitzplätze direkt am Wasser. Zwischen den Restaurants befinden sich ein paar private Mini-Strände, die hauptsächlich als Einstiegsort für Taucher genutzt werden, an manchen Stellen aber auch für Stand-Up-Paddler, Schnorchler usw. Auf der anderen Seite der Promenade befinden sich kleinere Supermärkte und Souvenirshops, wo verhandlungsunfähige Touristen ordentlich übers Ohr gehauen werden. Ein Stück weiter in eine der größeren Seitenstraßen rein kommt man zur German Bakery. Dort gibt es bessere (und auch billigere!) Laugenbrezeln und –stangen, als ich jemals in Berlin gegessen habe. Sie haben im Vergleich zu allen anderen Läden auch schon früh morgens offen, auch während des Ramadan. Wenn wir manchmal wegen der Gezeiten sehr früh zu unseren Tauchgängen aufbrechen mussten, hat meistens einer eine Sammelbestellung aufgenommen und es gab unterwegs Frühstück aus der Bäckerei. Übrigens auch hilfreich, wenn man dann doch Reisedurchfall bekommt (ich hatte ja vergeblich gehofft, mein Körper könnte sich inzwischen gegen jegliche afrikanischen Keime verteidigen) und sich eine Woche von Cola und Brezeln ernähren muss. Danke an die exzellenten Brezelbäcker für ihren erheblichen Beitrag zur Festigung meines Stuhlgangs.

Wenn man über die Promenade läuft, will dich alle paar Sekunden jemand überreden, bei ihm Souvenirs zu kaufen oder zum Essen zu kommen. Insgesamt habe ich es hier aber nie als unangenehm empfunden, alle sind sehr freundlich und zuvorkommend und akzeptieren auch ein „No thank you“, oder wie es im Arabischen heißt „La Sukran“. Das hatte mir George in Kairo beigebracht: „Always remember the basic vocabulary for tourists: La Sukran. If you can’t remember “Sukran”, it sounds like what you have to do: shake and run before it’s too late and you can’t get away.” Morgens ist die Promenade aber eh wie ausgestorben, auch nach Ende der Fastenzeit. Mittags ist es zu heiß, da hat zwar einiges schon offen, aber es ist nicht viel los. Erst am späten Nachmittag/ Abend wird es voll auf der Promenade. Was mich positiv überrascht hat, ist die anscheinend relativ geringe Kriminalität in Dahab. Auch wenn man seine Sachen kurz an einem öffentlichen Ort stehen lässt, wird nichts geklaut, die Restaurants an der Promenade z.B. haben noch nicht einmal Türen mit Schlössern, sie sind nachts einfach offen. Auf den Sitzpolstern übernachten die Mitarbeiter, wenn es in ihren Häusern zu stickig ist oder sie zu weit weg wohnen und am nächsten Tag wieder arbeiten müssen. Das (teilweise sehr teure) Tauchequipment steht oftmals auf der Straße herum, ohne dass jemand auch nur auf den Gedanken kommen würde, etwas zu klauen. Generell werden Touristen sehr respektvoll behandelt und man merkt, wie sehr auch diese Stadt unter den Folgen der Revolution gelitten hat. Die Stadt lebt vom Tourismus und jeder Besucher ist mehr als willkommen.

 

 

Zu den meisten Tauchspots müssen wir erst eine Weile hinfahren. Das ist gerade in der Hitze immer eine unglaubliche Anstrengung. Jeder hat seine Tauchbox mit Neoprenanzug, Flossen usw., einen Bleigürtel und dann, je nachdem, wie viele Tauchgänge wir machen, entsprechend viele Druckluftflaschen. Das muss alles vom Tauchcenter mit einem Trolley zu einem Auto gezogen werden, hinten auf den Pickups verstaut werden, denn sitzen wir meistens zu sechst oder siebt aneinander geklebt im Auto. Unterwegs kommen wir an kleineren Häuseransammlungen vorbei, wo das Hauptfortbewegungsmittel Kamele sind. Auf der Straße kommt man oft nur hupend voran, weil sie voller Ziegen ist, die gerade ein Nickerchen halten. Auch viele Kinder rennen winkend auf der Straße hinter den Autos her und versuchen hinten auf die Pickups aufzuspringen, um ein Stück mitzufahren. Einmal waren wir schon weit außerhalb der Stadt und sahen einen kleinen Jungen hinter seinem entflohenen Kamel herrennen. Das Kamel legte ein ganz schönes Tempo vor, schließlich erbarmte sich unser Fahrer, ließ den Jungen hinten aufspringen und fuhr zügig dem Kamel hinterher, das der Junge schließlich wieder einfangen konnte. Wenn wir dann  am Ziel angekommen sind, muss erst einmal alles wieder abgeladen werden. Dann baut jeder sein Equipment zusammen und dann kann man sich endlich im Wasser abkühlen.

 

 

45 bis 60 Minuten geht ein Tauchgang durchschnittlich, wenn wir einen Tieftauchgang machen deutlich kürzer, wenn wir die Gutachten in fünf Meter Tiefe machen, geht es meistens über eine Stunde. Abgesehen von Korallen sieht man natürlich auch viele andere coole Lebewesen, meine Favoriten sind die Oktopusse. Ich habe glücklicherweise schon mehrere gesehen, einmal auch zwei sich paarende Oktopusse, das sieht man wirklich nicht allertage. Aber was mich jedes Mal wirklich vom Hocker haut, ist ihre Fähigkeit, innerhalb von Millisekunden die Farbe und Struktur ihrer Haut zu ändern. Für alle interessierten, habe ich auch Videos, die kann ich hier nicht hochladen. Abgesehen von Oktopussen, habe ich schon zwei Schildkröten gesehen, die eine wohnt ein paar hundert Meter von hier. Wir haben einen Nachttauchgang gemacht und sie schlafend unter ihrem Felsen gesehen, sah ein bisschen aus, wie ein eingeparktes Auto, die Lücke unter dem Felsen wie gemacht für sie. Und ein Riesenvieh ist das! Langsam kann ich auch die verschiedenen Fische unterscheiden, sehr gerne fotografiere ich die Anemonenfische, sie sind sehr neugierig, aber können auch aggressiv werden, wenn man ihrer Anemone zu nahe kommt, insbesondere, wenn sie dort gerade ihre Eier bewachen. Papageienfische beschädigen zwar viele Korallen, lächeln aber immer so süß!

 

 

Einen Tag haben wir einen Bootsausflug gemacht und dann vom Boot aus zwei Tauchgänge und etwas Herumgeschnorchle. Es war unglaublich schön mit dem Boot über das türkise Wasser zu fahren und das Korallenriff, wo wir tauchten, war definitiv das bunteste, das ich bisher gesehen hatte. Eine Schildkröte haben wir dort auch gesehen. Der eine Tauchguide wohl auch einen Hai, aber der war so schnell weg, sobald alle im Wasser waren, dass ich leider nichts von ihm gesehen habe.

 

 

Dafür hat Nina zwischendurch immer wieder auf kleine Fischschwärme in einiger Entfernung gedeutet. Es waren ziemlich große Fische, aber nur ca. 10 Stück. Ich habe erkannt, dass es Thunfische sind, aber nicht so richtig Ninas Aufregung deswegen verstanden. Als wir wieder auf dem Boot waren, fragte ich sie, ob es hier nur selten Thunfische gab…? Daraufhin sagte sie: „Nicht nur hier, man kann sich inzwischen überall auf der Welt glücklich schätzen, wenn man überhaupt mal einen Thunfisch sieht.“ Viele Thunfischarten sind leider inzwischen gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Und das gilt natürlich nicht nur für Thunfische. Ca. 90% der weltweiten Fischbestände sind überfischt oder gefährdet. Als ich noch bei Sea Shepherd gearbeitet habe, haben uns häufig Leute gefragt, welchen Fisch man denn guten Gewissens noch kaufen könnte. Die Wahrheit ist: gar keinen. Zusätzlich zur Überfischung der Meere sterben durch die kommerzielle Fischerei ja auch alle möglichen anderen Tiere, 40% von allem, was in den Netzen landet, ist Beifang: Delfine, Wale, Haie, Schildkröten usw. Diese verenden in den Netzen und werden zurück ins Wasser geschmissen. Aquakulturen sind auch keine Lösung des Problems, da die Fische dort mit Fischmehl gefüttert werden. Es werden ca. 4 kg wildgefangener Fisch verfüttert um ein Kilogramm Lachs zu züchten. Das ist doch alles pervers!!! Hinzu kommt noch, dass die Fische in den Aquakulturen in ihren eigenen Fäkalien schwimmen. Um dadurch verursachte Infektionen zu reduzieren, bekommen die Fische Antibiotika, welche Rückstände im Fischfleisch und im Wasser hinterlassen. Das Argument, Fisch zu essen sei gesund, ist absoluter Schwachsinn. Proteine und ungesättigte Fettsäuren können wir auch durch pflanzliche Nahrung aufnehmen. Hinzu kommt, dass in Fischen immer mehr Mikroplastik, Quecksilber und viele andere schädliche Substanzen gefunden werden, die Menschen beim Essen mit aufnehmen. Wenn ich hier im Wasser bin, freue ich mich so sehr über all das Leben im Wasser, wenn ich die Fische dann tot auf Eis in den Auslagen der Restaurants auf der Promenade sehe, bricht es mir fast das Herz. In der Hinsicht bin ich meinem 7 Jahre alten Ich treu geblieben. Die meisten Menschen sehen Fische noch nicht einmal als individuelle Lebewesen mit Gefühlen und eigenen Charakterzügen, man sieht es an der kommerziellen Fischproduktion: Fischfang wird (im Gegensatz zur Abschlachtung von Kühen, Schafen, Hühnern, Schweinen usw., wo die Nummer der Tiere angegeben werden kann) in Tonnen angegeben. Dabei haben Fische, genauso wie Hühner, genauso wie Menschen ein Recht, als Individuum angesehen zu werden. Wenn man jeden Tag im Wasser verbringt, wie ich momentan, lernt man sie immer besser kennen und erkennt ihre Eigenarten und Verhaltensweisen. Umso mehr schmerzt es dann, wenn man sich die von RSEC erhobenen Daten ansieht und einen deutlichen Rückgang aller größeren Fischarten sieht. Inzwischen werden daher auch kleinere Fische gefangen. Irgendwann werden keine mehr da sein, wenn das so weiter geht. Jedes Mal, wenn man einen Fisch isst oder kauft, unterstützt man damit die Überfischung, man unterstützt die sinnlose Tötung des Beifangs und es ist noch nicht einmal gesund für den menschlichen Körper. Und das alles für fünf Minuten des Genusses während man den Fisch isst. Das kann es keinem Wert sein. Es gibt genügend mindestens genauso leckere Lebensmittel, bei denen man weniger Schaden anrichtet. Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn Menschen weiter Fisch essen wollen, wird weiter Fisch gefangen. Es ist, wie wählen zu gehen, mit jedem Fischkauf stimmt man dafür, dass es weiter geht mit der Überfischung, dem Artensterben und der Zerstörung der Ökosysteme in den Meeren, die wir Menschen aber zum Überleben auf diesem Planeten brauchen. Ich kann verstehen, dass es schwierig ist, Angewohnheiten zu ändern, besonders Essensgewohnheiten, aber jeder Mensch, der aktuell auf der Erde lebt muss sich damit abfinden, dass sich die Bedingungen geändert haben. Die Menschheit hat schon so viel zerstört, dass man nichts mehr tun kann, ohne sich über die Konsequenzen bewusst zu sein. Meiner Ansicht nach sollte jeder seinen Teil dazu beitragen, etwas gegen die Zerstörung der Ökosysteme zu tun, auch wenn man persönlich nicht daran Schuld ist. Nicht nur im Jetzt und Hier leben, einen Fisch essen, weil es jetzt gerade so gut schmeckt, sondern auch über die Zukunft der Ozeane und der Fische nachdenken.

Ich weiß, es ist ein ziemlich humorloser Abschluss meines Blogeintrags, aber das Thema liegt mir eben sehr am Herzen, insbersondere seit ich hier bin.

Ein kurzes, aber informatives Video zum Thema:

 

 

 

 

 

 

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