Drachen und Durban

Mein nächster Stop: die Drakensberge. Ein landschaftlich wunderschöner ca. 1000 km langer Gebirgszug, super geeignet für kurze und lange Wanderungen. Gewohnt habe ich auf einer kleinen Backpacker Farm, nach dem Großstadtchaos echt angenehm. Das Wetter wurde während der Fahrt immer schlechter, bis es dann abends ein sehr blitzreiches Gewitter gab, das ich mit den anderen Bewohnern der Farm von drinnen vor dem Kaminfeuer sitzend beobachtet habe. Am nächsten Tag bin ich zur „Sleeping Beauty Cave“ gewandert, zusammen mit ein paar Affen und Antilopen. Es war so friedlich und ruhig, in manchen Teilen ist die Natur noch fast unberührt, einfach unglaublich. Kaum war ich zurück, hat es schon wieder gewittert. Wir haben uns trotzdem draußen ein Lagerfeuerchen gegönnt.

Am nächsten Tag ging es nach Durban, der drittgrößten Stadt Südafrikas. Auf dem Weg bin ich durch eine andere landschaftlich wunderschöne Gegend gefahren, das „Valley of thousand hills“, kurz vor Durban.

In der Stadt angekommen, habe ich mich zunächst ein paar Mal verfahren, bis ich mein Hostel gefunden habe. Durban liegt direkt am Meer, ist ziemlich groß, aber bei weitem nicht so chaotisch wie Downtown Joburg. Nach einem kleinen Mittagsschläfchen habe ich den Strand und den Supermarkt erkundet. Überall Weihnachtsdeko! Dadurch, dass hier Sommer ist, hat mich das am Anfang echt verwirrt. In meinem Schlafsaal waren noch vier andere, zwei Deutsche und zwei Engländer. Wir haben uns alle sofort super verstanden und ein paar Reiseberichte ausgetauscht. Was mich echt vom Hocker gehauen hat: Lou, die Engländerin, wurde in Sansibar in der Hauptstadt genau von dem gleichen Typen verarscht und beklaut, wie ich!!! Sie wollte dort ihren Bus bezahlen und hatte kein passendes Geld, unter dem Vorwand Wechselgeld zu holen ist der Typ abgehauen und nicht zurückgekommen. Daraufhin hat sie sich beschwert, ein anderer ist dem Halunken hinterher, hat ihn zurückgebracht und ihn vor ihren Augen fast zu Tode geprügelt. Das nennt man eine faire Justizmaßnahme in Sansibar. Wie auch immer. Ich hab ihr meine Story erzählt und wir haben sofort einige Parallelen entdeckt. Wäre ja verrückt, wenn es der gleiche war. Also haben wir ihn uns gegenseitig beschrieben und jedes kleinste Detail hat übereingestimmt. Verrückterweise auch, dass sie ihm ebenfalls zweimal begegnet ist! Der hat wohl echt ein Beuteschema.

Am nächsten Morgen waren Lou und ich am Strand laufen und wurden von den Monsterwellen am Pier überrascht, als wir gerade ein paar Surferboys angegafft haben. Den restlichen Tag bin ich mit den beiden Engländern durch die Stadt gezogen, an den Regierungsgebäuden vorbei, bis wir einen riesigen verzweigten Markt gefunden haben. Dort konnte man echt alles kaufen: Obst und Gemüse, Klamotten, Elektrogeräte, Heilkräuter, Flip Flops, jede Menge Vodookram (zB. tote, getrocknete Affen) und vieles mehr. Es war echt krass. Und laut! An diversen Ständen wurde Musik gespielt oder auf kleinen Fernsehern Filme abgespielt, alles nach dem Motto: „Ich bin lauter als mein Nachbar“. Zum Mittagessen gab es „Bunny Chow“, das ist sehr typisch für die Region (und hat nichts mit Kaninchen zu tun). Es ist ein ausgehöhltes Weißbrot, in das etwas Warmes gefüllt wird. Meist etwas mit Fleisch, es gibt aber auch vegetarische Varianten mit scharfen Bohnen oder Gemüse, höchst delikat. Übrigens befindet sich die größte indische Gemeinde (außerhalb von Indien) in Durban! Das merkt man auch sehr schnell an den ganzen tollen Gewürzen, unzähligen indischen Restaurants und natürlich an den ganzen Indern…

Später haben wir in unserer Schlafsaal-Gemeinde einen lustigen Abend  zusammen verbracht, erst auf den Hängematten auf unserem Balkon. Dabei habe ich meine erste neue Englischvokabel an diesem Abend gelernt. Als nämlich Lou und Cane meinten, sie seien „pissed“, dachten wir Deutschen, sie seien sauer, angepisst, und haben uns verwirrt angesehen, weil wir nicht wussten warum. Kurz danach stellte sich heraus, dass „pissed“ auch angetrunken heißt. Alles klar! Kurz darauf haben wir unser Hostel verlassen um ein paar Bars zu erkunden. Auf dem Rückweg im Sammeltaxi hat uns Cane ungefähr 20 Mal gelobt, weil er unser Englisch so toll fand, oder wie er sagte: „Spot on!“ (zweite Vokabel des Tages). Der Taxifahrer hat sich so sehr amüsiert, dass er uns beim Aussteigen mehrmals „Spot on!“ hinterhergerufen hat.

 

Und noch ein ganz anderes Thema zum Abschluss: Sowohl in Johannesburg als auch in Durban ist mir aufgefallen, dass extrem viele weiße Südafrikaner rassistisch gegenüber ihren schwarzen Mitbürgern sind. Ganz oft wird man, sobald man als Tourist entlarvt wurde, prinzipiell vor den ganzen kriminellen Schwarzen gewarnt. „Geh nicht hier hin, geh nicht dort hin, vertrau keinem von denen!“ Schon echt traurig, wie gespalten das Land anscheinend, zumindest teilweise, immer noch ist…

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